Liebe Freud:innen der Gisi
Wir möchten euch über die neusten Entwicklungen um die Gisi – das mittlerweile älteste besetzte Haus der Schweiz an der General-Guisanstrasse 31 in Winterthur – informieren.
Auch wenn vordergründig nicht viel läuft, ebnet sich die Stefanini-Immobilien- und Kunst-Stiftung SKKG im Hintergrund den Weg zu einer Räumung.
SKKG erhält Baubewilligung von der Stadt
Wie ihr vielleicht bereits wisst, hatte die steuerbefreite millionenschwere Stefanini-Stiftung SKKG im Juli unter dem Vorwand des Brandschutzes verlangt, dass die Bewohner:innen der Gisi sofort ausziehen und hat eine Klage wegen Hausfriedensbruch bei der Polizei eingereicht. Ende Juli haben wir klargestellt, dass wir die Gisi nicht freiwillig hergeben.
Schon vorher hat die SKKG ein Baugesuch eingereicht und angekündigt, das Haus für fünf Millionen Franken totalsanieren zu wollen. Das Baugesuch enthielt aber praktisch keine Renovationsarbeiten. Lediglich die Küchen sollen ersetzt und Duschen eingebaut werden. Die SKKG machte keine Eingaben zu Denkmalschutz oder Brandschutz etc. Für ein solches Bauvorhaben wäre keine Bewilligung nötig. Es handelt sich um einen Trick, um nach einer Räumung eine Zwischennutzung in einem schlecht unterhaltenen Haus einzuquartieren und Einsprachen gegen die Baubewilligung zu verhindern.
Der Bauausschuss des Stadtrats hat Ende August der SKKG eine Baubewilligung erteilt. Damit ist ein baldiger Gerichtsentscheid für die Räumung der Gisi immer wahrscheinlicher. Das Baugesuch der Stefanini-Stiftung enthielt praktisch keine Renovationsarbeiten und die nun ausgestellte Bewilligung ist genauso unbestimmt, wie das Gesuch der SKKG. Die Stadt erteilt der SKKG praktisch eine Blankoerlaubnis für eine Pinselsanierung. Einsprachen sind bei einem solchen inhaltsleeren Bauvorhaben praktisch aussichtslos.
Dies lässt folgende Vermutung zu: Nach einer gewaltsamen Räumung soll die Gisi minimal saniert und statt den Besetzer:innen sollen andere Obdachlose oder Prekarisierte zur Zwischennutzung und Verhinderung einer Wiederbesetzung einquartiert werden.
Die angekündigte fünf Millionen Franken teure Luxussanierung folgt später und die SKKG beutet in der Zwischenzeit mit Hilfe der Stadt, Betroffene der Wohnkrise aus und wird das mit Sicherheit als wohltätigen Akt bezeichnen.
Stadtrat antwortet auf Petition und offenen Brief
Derweil hat sich die Stadt nach genau sechs Monaten dazu genötigt gefühlt, uns eine Antwort zur «Gisi bleibt»-Petition und zum offenen Brief vom 12.März 2026 zu schreiben.
In dem Brief, unterschrieben vom neuen FDP-Stadtpräsidenten Stefan Fritschi, weist der Stadtrat jegliche Schuld und Verantwortung von sich. Die Gisi stehe im Besitz der SKKG. Die Stadt anerkenne das Eigentumsrecht und werde auf Verlangen der Eigentümerin dieses durchsetzen. Was so viel heisst wie, dass die Stadtregierung zusammen mit der Polizei und der SKKG die Räumung planen und durchführen will.
Sie schreibt, dass sie sich der angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt bewusst sei und dass sie mit der im März 2026 verabschiedeten «Wohnstrategie» gegen die Wohnkrise vorgehen würde. Allerdings scheitert die Stadt jetzt schon bei der Umsetzung ihrer eigenen Ziele dieser Wohnstrategie. So erreicht sie z.B. nicht die Anzahl an neu geschaffenen gemeinnützigen Wohnungen, welche in der Wohnstrategie vorgegeben ist.
Auf die Situation der beiden Wagenplätze, welche die Stadt seit vielen Jahren aktiv bekämpft, geht das Antwortschreiben gar nicht erst ein!
Diese dürftige Antwort ist überhaupt nicht erstaunlich und auch keine neue Entwicklung der Stadt Winterthur. Die Stadtregierung hat schon immer im Interesse der Reichen gehandelt und aktiv die Stadtaufwertung vorangetrieben, um gute Steuerzahler:innen anzuziehen und um alles, was aneckt und stört, aus der Stadt zu vertreiben.
Sie ist also weder eine unbeteiligte neutrale Instanz, noch ist sie gewillt, die Wohnkrise zu bekämpfen. Im Gegenteil: Sie greift der SKKG mit einer «Baubewilligung light» unter die Arme, um für die Gisi schnellstmöglich einen Gerichtsentscheid zur Räumung zu erhalten.
Dies zeigt einmal mehr, dass wir im Kampf um günstigen Wohnraum nur auf unsere eigenen Kräfte zählen können. Kein Gesetz, keine Wohnstrategie, keine neu gewählten Politiker:innen können uns diese Arbeit abnehmen. Im kapitalistischen Status quo wird Wohnraum immer als Ware gehandelt und Ware unterliegt den Gesetzen des Marktes. Das Eigentum ist das höchste Gut und wird wenn nötig mit aller Gewalt verteidigt. Deshalb können wir die Wohnkrise nur nachhaltig bekämpfen, wenn wir revolutionäre Perspektiven aufbauen.
In der Verteidigung unseres Zuhause braucht es einen langen Atem und solidarische Netze. Weiterhin brauchen wir eure Solidarität und Unterstützung. Der Innenhof der Gisi steht allen Solidarischen zur Verfügung, die dort einen Anlass oder eine Veranstaltung machen möchten. Dadurch können wir diesen Ort weiter beleben und die Bewohner:innen im Haus unterstützen. Die Gisi soll sichtbar und hörbar sein in der Stadt!
Sagt den Verantwortlichen eure Meinung, seid wie immer kreativ und verliert nicht den Humor und den Mut angesichts der Zumutungen dieser Stadt der Reichen.
Gisi bleibt!
Häuservernetzung Winterthur
12.10.2026
wohnraumverteidigen.org
t.me/gisibleibt