Häuservernetzung Winterthur

Wohnraum verteidigen!

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  • Communiqué zum Stadtspaziergang gegen Vertreibung, am 22. Oktober 2026

    Gestern Abend sind wir gemeinsam auf die Strasse um gegen Vertreibung und kapitalistische Stadtaufwertung zu protestieren. Konkret ging es auch um unsere Wut gegenüber einer Stadt, die keinerlei Lösung für die Wohnkrise hat. Gleichzeitig will sie uns aber die Lösungen, welche wir uns selbst geschaffen haben, nämlich die Gisi und die Wagenplätze, gewaltsam nehmen.

    Ca. 100 Leute haben sich um 19:00 Uhr auf der Steinberggasse eingefunden. Die Stimmung war trotz kaltem Wetter ausgelassen und kämpferisch. Mit Schildern, Transpis und Musik sind wir von der aufgewerteten Steinberggasse Richtung Bahnhof losgezogen. In der Martkgasse gab es einen Redebeitrag vom revolutionären Aufbau, welcher die Situation der Bewohner:innen der Endlikerstrasse thematisierte. Dort sollen 400 Menschen aus ihren Wohnungen geschmissen werden, weil «ihre» Pensionskasse, die Sulzer Vorsorgeeinrichtung, die Häuser abreissen und überbauen will, um mehr Rendite einzufahren.

    Am Bahnhof gab es einen Redebeitrag der IGBBSL (Interessensgemeinschaft von Bewohner:innen und Benutzer:innen von Stefanini-Liegenschaften). Darin wurde die Rolle der SKKG (Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte) thematisiert, welche die Einnahmen aus ihren Häusern nutzt, um mit Kulturförderung und viel PR die Stadt und ihre Bewohner:innen auf ihre Seite zu ziehen. Menschen, die sich die erhöhten Mieten nicht mehr leisten können, bleiben auf der Strecke und verlieren ihr Zuhause.

    Die Stadthaustrasse hoch gab es einen weiteren Stopp beim Stadtpark mit einer Rede vom RJBW (Revolutionäres Jugendbündnis Winterthur). Der Redebeitrag thematisierte das Bedürfnis der Jugend, sich ausserhalb der elterlichen Kontrolle bewegen zu können. In einer gentrifizierten Stadt, die jeden öffentlichen Winkel ausleuchtet und ein Pop-up-Restaurant hinstellt, sei es zunehmend schwierig, sich ohne Konsumzwang zu treffen.

    Der Abschluss des Stadtspaziergangs war im Innenhof der seit knapp 30 Jahren besetzten Gisi. Die SKKG, Eingentümerin der Gisi, hat im August Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gegen die Bewohner:innen eingereicht. Die Bewohner:innen liessen sich davon nicht vertreiben und haben sich im Haus verbarrikadiert. Statt den Dialog zu suchen, will die SKKG das Haus polizeilich räumen lassen. Es ist ungewiss, wann die Räumung stattfindet. Nach eigener Aussage wartet die Polizei auf einen gerichtlichen Entscheid.

    Die Bewohner:innen zeigen sich trotz dem nun knapp dreimonatigen Ausharren kämpferisch. In einer Rede machen sie deutlich, dass sie die Gisi niemals freiwillig hergeben werden.

    Die Redebeiträge haben alle darauf hingewiesen, dass die Lösung der Wohnkrise nicht im kapitalistischen System zu finden ist und auch die Stadt keine Lösungen parat hat für die vielen Menschen, die aus ihren Häusern vertrieben werden. Die Stadtregierung richtet ihre Politik nach den Bedürfnissen des Kapitals und nicht nach den Bedürfnissen der Menschen. Dagegen können wir uns wehren: Kämpfen wir gegen die Vereinzelung, schliessen wir uns zusammen. Die Wohnkrise trifft längst einen grossen Teil der Bevölkerung, niemand ausser wir selbst wird unsere Probleme für uns lösen. Wehren wir uns gemeinsam gegen das ausbeuterische System.

    Solidarität mit den Mieter:innen an der Endlikerstrasse.
    Solidarität mit den kämpferischen Bewohner:innen der Gisi.
    Solidarität mit allen von Vertreibung betroffenen Menschen!

    Häuservernetzung Winterthur
    23. Oktober 2026

  • SKKG erhält Baubewilligung von der Stadt

    Liebe Freud:innen der Gisi

    Wir möchten euch über die neusten Entwicklungen um die Gisi – das mittlerweile älteste besetzte Haus der Schweiz an der General-Guisanstrasse 31 in Winterthur – informieren.

    Auch wenn vordergründig nicht viel läuft, ebnet sich die Stefanini-Immobilien- und Kunst-Stiftung SKKG im Hintergrund den Weg zu einer Räumung.

    SKKG erhält Baubewilligung von der Stadt

    Wie ihr vielleicht bereits wisst, hatte die steuerbefreite millionenschwere Stefanini-Stiftung SKKG im Juli unter dem Vorwand des Brandschutzes verlangt, dass die Bewohner:innen der Gisi sofort ausziehen und hat eine Klage wegen Hausfriedensbruch bei der Polizei eingereicht. Ende Juli haben wir klargestellt, dass wir die Gisi nicht freiwillig hergeben.

    Schon vorher hat die SKKG ein Baugesuch eingereicht und angekündigt, das Haus für fünf Millionen Franken totalsanieren zu wollen. Das Baugesuch enthielt aber praktisch keine Renovationsarbeiten. Lediglich die Küchen sollen ersetzt und Duschen eingebaut werden. Die SKKG machte keine Eingaben zu Denkmalschutz oder Brandschutz etc. Für ein solches Bauvorhaben wäre keine Bewilligung nötig. Es handelt sich um einen Trick, um nach einer Räumung eine Zwischennutzung in einem schlecht unterhaltenen Haus einzuquartieren und Einsprachen gegen die Baubewilligung zu verhindern.

    Der Bauausschuss des Stadtrats hat Ende August der SKKG eine Baubewilligung erteilt. Damit ist ein baldiger Gerichtsentscheid für die Räumung der Gisi immer wahrscheinlicher. Das Baugesuch der Stefanini-Stiftung enthielt praktisch keine Renovationsarbeiten und die nun ausgestellte Bewilligung ist genauso unbestimmt, wie das Gesuch der SKKG. Die Stadt erteilt der SKKG praktisch eine Blankoerlaubnis für eine Pinselsanierung. Einsprachen sind bei einem solchen inhaltsleeren Bauvorhaben praktisch aussichtslos.

    Dies lässt folgende Vermutung zu: Nach einer gewaltsamen Räumung soll die Gisi minimal saniert und statt den Besetzer:innen sollen andere Obdachlose oder Prekarisierte zur Zwischennutzung und Verhinderung einer Wiederbesetzung einquartiert werden.

    Die angekündigte fünf Millionen Franken teure Luxussanierung folgt später und die SKKG beutet in der Zwischenzeit mit Hilfe der Stadt, Betroffene der Wohnkrise aus und wird das mit Sicherheit als wohltätigen Akt bezeichnen.

    Stadtrat antwortet auf Petition und offenen Brief

    Derweil hat sich die Stadt nach genau sechs Monaten dazu genötigt gefühlt, uns eine Antwort zur «Gisi bleibt»-Petition und zum offenen Brief vom 12.März 2026 zu schreiben.

    In dem Brief, unterschrieben vom neuen FDP-Stadtpräsidenten Stefan Fritschi, weist der Stadtrat jegliche Schuld und Verantwortung von sich. Die Gisi stehe im Besitz der SKKG. Die Stadt anerkenne das Eigentumsrecht und werde auf Verlangen der Eigentümerin dieses durchsetzen. Was so viel heisst wie, dass die Stadtregierung zusammen mit der Polizei und der SKKG die Räumung planen und durchführen will.

    Sie schreibt, dass sie sich der angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt bewusst sei und dass sie mit der im März 2026 verabschiedeten «Wohnstrategie» gegen die Wohnkrise vorgehen würde. Allerdings scheitert die Stadt jetzt schon bei der Umsetzung ihrer eigenen Ziele dieser Wohnstrategie. So erreicht sie z.B. nicht die Anzahl an neu geschaffenen gemeinnützigen Wohnungen, welche in der Wohnstrategie vorgegeben ist.

    Auf die Situation der beiden Wagenplätze, welche die Stadt seit vielen Jahren aktiv bekämpft, geht das Antwortschreiben gar nicht erst ein!

    Diese dürftige Antwort ist überhaupt nicht erstaunlich und auch keine neue Entwicklung der Stadt Winterthur. Die Stadtregierung hat schon immer im Interesse der Reichen gehandelt und aktiv die Stadtaufwertung vorangetrieben, um gute Steuerzahler:innen anzuziehen und um alles, was aneckt und stört, aus der Stadt zu vertreiben.

    Sie ist also weder eine unbeteiligte neutrale Instanz, noch ist sie gewillt, die Wohnkrise zu bekämpfen. Im Gegenteil: Sie greift der SKKG mit einer «Baubewilligung light» unter die Arme, um für die Gisi schnellstmöglich einen Gerichtsentscheid zur Räumung zu erhalten.

    Dies zeigt einmal mehr, dass wir im Kampf um günstigen Wohnraum nur auf unsere eigenen Kräfte zählen können. Kein Gesetz, keine Wohnstrategie, keine neu gewählten Politiker:innen können uns diese Arbeit abnehmen. Im kapitalistischen Status quo wird Wohnraum immer als Ware gehandelt und Ware unterliegt den Gesetzen des Marktes. Das Eigentum ist das höchste Gut und wird wenn nötig mit aller Gewalt verteidigt. Deshalb können wir die Wohnkrise nur nachhaltig bekämpfen, wenn wir revolutionäre Perspektiven aufbauen.

    In der Verteidigung unseres Zuhause braucht es einen langen Atem und solidarische Netze. Weiterhin brauchen wir eure Solidarität und Unterstützung. Der Innenhof der Gisi steht allen Solidarischen zur Verfügung, die dort einen Anlass oder eine Veranstaltung machen möchten. Dadurch können wir diesen Ort weiter beleben und die Bewohner:innen im Haus unterstützen. Die Gisi soll sichtbar und hörbar sein in der Stadt!

    Sagt den Verantwortlichen eure Meinung, seid wie immer kreativ und verliert nicht den Humor und den Mut angesichts der Zumutungen dieser Stadt der Reichen.

    Gisi bleibt!

    Häuservernetzung Winterthur
    12.10.2026

    wohnraumverteidigen.org
    t.me/gisibleibt

  • Solidarität mit Autistici/Inventati

    Solidarität mit Autistici/Inventati

    Mit grosser Sorge haben wir die Repression gegen unseren Internet-Host zur Kenntnis genommen. Die rechtsradikale US-Regierung hat einmal mehr linke, europäische Strukturen ins Visier genommen und als Terrorist:innen gebrandmarkt.

    Autistici/Inventati waren jahrelang eine grosse technische Unterstützung für den Internetauftritt unzähliger emanzipatorischer Projekte aus vielen Ländern.
    Wir als kleines, lokales Projekt, das sich für den Erhalt von selbstverwaltetem Wohn- und Kulturraum in Winterthur/Schweiz einsetzt, bedanken uns für die Unterstützung unseres Projekts über viele Jahre.

    Wir kämpfen weiter und solidarisieren uns mit Autistici/Inventati, die den mächtigsten Faschisten der Welt gegenüber stehen und darum alle Homepages auf Ende September 2026 schliessen mussten.

    Solidarität ist unsere stärkste Waffe!
    No pasaran

    Häuservernetzung Winterthur
    10.2026

    wohnraumverteidigen.org


    ENGLISH:

    Solidarity with Autistici/Inventati

    It is with great concern that we have learned of the crackdown against our web host. The far-right U.S. government has once again targeted left-wing European organizations and branded them as terrorists.

    For many years, Autistici/Inventati has provided technical support for the online presence of numerous emancipatory projects from many countries. As a small local project committed to preserving self-managed living and cultural spaces in Winterthur, Switzerland, we would like to express our gratitude for the support our project has received over the years.

    We will continue to fight and stand in solidarity with Autistici/Inventati, who are facing off against the most powerful fascists in the world and have therefore been forced to shut down all their websites by the end of September 2026.

    Solidarity is our strongest weapon!
    No pasaran

    Häuservernetzung (Housing Network) Winterthur
    October 2026

    wohnraumverteidigen.org


    ITALIANO:

    Solidarietà con Autistici/Inventati

    Abbiamo appreso con grande preoccupazione della repressione nei confronti del nostro provider Internet. Il governo statunitense di estrema destra ha preso ancora una volta di mira strutture europee di sinistra, bollandole come terroriste.

    Da molti anni Autistici/Inventati forniscono supporto tecnico alla presenza online di numerosi progetti emancipatori provenienti da diversi paesi. Noi, in quanto piccolo progetto locale impegnato nella salvaguardia di spazi abitativi e culturali autogestiti a Winterthur, in Svizzera, li ringraziamo per il sostegno offerto al nostro progetto nel corso di molti anni.

    Continuiamo a lottare ed esprimiamo la nostra solidarietà ad Autistici/Inventati, che si trovano a fronteggiare il fascista più potente del mondo e che, per questo motivo, hanno dovuto chiudere tutti i siti web entro la fine di settembre 2026.

    La solidarietà è la nostra arma più potente!
    No pasaran

    Häuservernetzung (Rete delle case) Winterthur
    10.2026

    wohnraumverteidigen.org

  • Communiqué zur aktuellen Entwicklung im Kampf um die Gisi in Winterthur                                                            

    Liebe Freund:innen und Solidarische

    Die Lage ist ernst. Unter dem Vorwand des Brandschutzes droht die Terresta AG den Bewohnenden der Gisi ab August mit Räumung und Repression.

    Angedrohte Räumung

    Die Gisi, die General-Guisan-Strasse 31, das älteste besetzte Haus von Winterthur, seit 1997 selbstverwaltet, ist akut räumungsbedroht. Viele kennen von der Gisi vor allem den Kulturraum im Erdgeschoss, die Subcultura, in dem Konzerte und Veranstaltungen stattfinden. In den oberen drei Stockwerken leben zudem viele Menschen, die das Haus mit viel Aufwand und Engagement seit vielen Jahren beleben und instand halten.

    Die Eigentümerin, die steuerbefreite Stefanini-Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG), will das Haus für 5 Millionen Franken totalsanieren und teuer vermieten. Um ihr Vorhaben durchzusetzen, müssen sie die Besetzer:innen loswerden. Um dies zu erreichen, schrecken sie nicht davor zurück, sich die Tragödie von Crans-Montana zu Nutze zu machen.

    Die Immobilienverwaltung der SKKG, die Terresta AG, hat den Bewohner:innen der Gisi am 20. Mai 2026 mitgeteilt, dass sie das Haus ab 1. Juni 2026 nicht mehr bewohnen dürfen und droht ab Ende Juli mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruch, da angeblich gewisse feuerpolizeilichen Auflagen nicht erfüllt würden. Die Begründung dieser Drohung ist fadenscheinig, die genannten Auflagen sind längst erfüllt.

    Brandschutz als Vorwand

    Bei einer feuerpolizeilichen Kontrolle des Kulturraums im Februar 2026 wurden verschiedene Auflagen gemacht. Darunter, dass sich aktuell nicht mehr als 20 Personen im Kulturraum aufhalten dürfen. Die Terresta AG forderte uns zudem dazu auf, eine Person zu nennen, welche für die Einhaltung der feuerpolizeilichen Auflagen verantwortlich ist.

    Alle Auflagen wurden erfüllt, eine verantwortliche Person wurde genannt und seither finden keine Veranstaltungen mit mehr als 20 Personen im Kulturraum statt. Dies wurde gegenüber der Terresta AG mehrfach schriftlich bestätigt.

    Die Bewohner:innen und der Kulturbetrieb haben selbstverständlich ein grosses Interesse an der Sicherheit in ihren Räumen. So haben sie in den vergangenen Jahren immer mit der Feuerpolizei zusammengearbeitet und allfällige Mängel mit grossem Aufwand und aus eigener Tasche behoben.
    Die Argumentation, dass es keine Sicherheit gebe, dass die feuerpolizeilichen Auflagen erfüllt werden, ist also eine glatte Lüge.

    Dass die SKKG unter dem Vorwand des Brandschutzes versucht, die Bewohner:innen einzuschüchtern und zu kriminalisieren, um die Räumung der Gisi voranzutreiben, ist verwerflich. Die Tragödie von
    Crans-Montana wird instrumentalisiert, um ein unliebsames politisches Projekt unter Druck zu setzen. Wir glauben nicht, dass es der SKKG um den Schutz von Menschen geht. Während Jahrzehnten hat sie sich nicht um die Sicherheit der Bewohnenden ihrer Liegenschaften geschert. Wir sind deshalb überzeugt, dass die SKKG den Brandschutz als Vorwand missbraucht, um die Räumung der Gisi und die Kriminalisierung der Bewohner:innen zu legitimieren.

    Keine Baubewilligung und hängiger Prozess

    Besonders stossend ist das Vorgehen der SKKG, weil die Bewohnenden auf Vorrat auf die Strasse gestellt werden sollen. Denn für die Sanierung gibt es noch keine Baubewilligung, zudem läuft noch ein mietrechtliches Verfahren: Für den Kulturraum im Erdgeschoss besteht seit langer Zeit ein
    Mietverhältnis. Dieses wurde von der SKKG im letzten Jahr gekündigt. Diese Kündigung wurde angefochten, aktuell ist der Entscheid am Mietgericht hängig. Sowohl der juristische Prozess, wie auch das Baubewilligungsverfahren können sich noch monatelang hinziehen.

    Die Stadt schweigt

    Während sich die Situation der Gisi als wichtiger Wohn- und Kulturraum zuspitzt, schweigt die Stadt Winterthur. Weder auf die Gisi-bleibt-Petition, mit mehr als 5000 Unterschriften, noch auf den offenen Brief, welcher von über 60 Organisationen unterzeichnet wurde, haben die Verantwortlichen bisher reagiert. Auf Nachfrage hat uns die Stadtverwaltung mitgeteilt, es sei innerhalb von sechs Monaten mit einer Antwort zu rechnen.

    Derweil geht die Stadt mit Repression gegen die beiden Wagenplätze Frostschutz und Mumpitz vor. Trotz der abgelehnten Abstimmung zur Aufwertung des Campingplatzes am Rosenberg, muss der Wagenplatz Frostschutz in absehbarer Zeit einer Zufahrtsstrasse weichen. Die Bewohnenden des Wagenplatz Mumpitz werden von der Stadt mit Strafverfahren eingedeckt. In Winterthur werden also alternative Wohnformen und politische Projekte angegriffen. In kürzester Zeit soll viel günstiger Wohnraum zerstört werden – und das mitten in einer akuten Wohnkrise!

    Eine andere Stadt ist möglich

    Die selbstverwalteten Häuser und Wagenplätze von Winterthur sind Teil eines vielfältigen Netzwerks selbstorganisierter Häuser, Räume und Betriebe. Sie sind Teil der Kultur und Geschichte dieser Stadt. Sie sind dringend benötigter günstiger Wohn- und Kulturraum für viele. Sie, und
    insbesondere die Gisi, sind für uns aus der Stadt nicht wegzudenken.

    Diese Orte sind wichtig, weil sie es möglich machen, Perspektiven jenseits der kapitalistischen Logik aufzubauen. Sie bieten Wohnraum für Leute mit wenig Geld. Sie werden dem profitorientierten Wohnungsmarkt entzogen und für emanzipatorische Projekte geöffnet. An diesen Orten werden Menschen politisiert und fortschrittliche Ideen diskutiert, gelebt und weitergegeben.

    Der Kampf geht weiter

    Selbstverwaltete Räume werden durch die kapitalistische Stadtaufwertung immer wieder angegriffen. Denn in der Krise des Kapitalismus bietet der Immobilienmarkt zunehmend attraktive
    Anlagemöglichkeiten. Deshalb werden Besetzungen oft auch unter fadenscheinigen Vorwänden geräumt. Lassen wir uns nicht täuschen! Die Sicherheit der Veranstaltungsbesucher:innen des Kulturraums ist nicht das eigentliche Anliegen der Terresta AG. Sie missbraucht die feuerpolizeilichen Auflagen, um die Bewohner:innen der Gisi auf die Strasse zu stellen.

    Die Bewohner:innen der Gisi und das Subcultura-Kollektiv haben in der Vergangenheit mit der Feuerpolizei zusammengearbeitet, haben allfällige Mängel jeweils behoben und können das auch in Zukunft tun.

    Doch dafür brauchen wir eine Zukunft!

    Wir sind weiterhin bereit mit der SKKG über den Erhalt der Gisi zu verhandeln.

    Egal, was kommt: Wir geben die Gisi nicht kampflos auf!

    Wir halten euch auf dem Laufenden und hoffen fest auf eure Solidarität und Unterstützung.

    Schaut auf unserer Homepage vorbei oder/und folgt uns auf Instagram.

    Solidarische Grüsse

    Häuservernetzung Winterthur, 17. Juni 2026

    wohnraumverteidigen.org

    @haeuservernetzung

  • Pressecommuniqué Kollektiv Frostschutz

    Die Stimmbevölkerung hat entschieden.
    Mit dem Nein zum Neubau des Campingplatzes, diesem völlig überrissenen und
    unsozialen Projekt, wurde ein klares Zeichen gegen die Vertreibung und der Auflösung
    der Nachbarschaft am Schützenweiher gesetzt. Nun liegt es auf der Hand, dass die
    Stadt ihren konfrontativen, undemokratischen Kurs beiseitelegt und mit den betroffenen
    Bewohner:innen an den runden Tisch sitzt.

    Dieses Nein zur Überbauung Schützenweiher bedeutet, dass die Einwohner:innen
    erkannten, wie wichtig es für eine Stadt mit der Grösse Winterthurs ist, alternative
    Wohnformen aus der Grauzone zu hieven und zu legalisieren. Auch dem Stadtrat muss
    klar geworden sein, dass wir da sind und dableiben.
    Denn: Auch wir sind Winterthur.

    Dieses Nein bedeutet, dass auch die Pläne der Strassenverlegung überarbeitet werden
    müssen, denn ohne die Verlegung des Campingplatzes besteht keine Dringlichkeit auf
    der von uns bewohnten Fläche einen asphaltierten Parkplatz zu errichten. Ohne
    grösseren Campingplatz fehlt jegliche Legitimation, unser schönes Kleinod zu
    verschandeln. In einem Naherholungsgebiet soll der Individualverkehr reduziert und
    nicht ausgebaut werden. Schon heute verkehren drei Buslinien auf den Rosenberg. Auch
    unsere Jenischen Nachbar:innen sollen, dank diesem Nein, auf ihrer Parzelle bleiben
    können, da die Fläche zukünftig nicht vom TCS beansprucht wird.

    Sämtliche Bemühungen unsererseits in den letzten Jahren, den Wagenplatz Frostschutz
    zu legalisieren, blockte die Stadt ab. Schon vor elf Jahren ging Yvonne Beutler nicht auf
    unsere Angebote ein. Heute stellt sich Kaspar Bopp taub, wenn wir eine Pacht oder
    Miete anbieten. Immer wieder wurden wir vertröstet. Zuletzt, auf die Zeit nach der
    Abstimmung. Verstrichene Monate und Jahre, die konstruktiv hätten genutzt werden
    können.

    Andere Städte zeigen, dass diese Lebensform in unterschiedlichsten Zonen möglich ist,
    sofern der politische Wille vorhanden ist.

    Wir werden unser geliebtes Zuhause auf keinen Fall zurücklassen. Nicht, bis eine
    gleichwertige Anschlusslösung gefunden ist, die unseren Bedürfnissen entspricht. Nicht
    vor dem effektiven Baubeginn.

    Ein grosser Dank gilt den unterstützenden Personen, die uns in den letzten Monaten auf
    eindrückliche Weise den Rücken gestärkt und uns solidarisch unterstützt haben. Sie
    erkannten, wer wir sind und was wir wollen.

    Kollektiv Frostschutz, 17.6.2026

  • Medienmitteilung zur 1. Mai-Demo in Winterthur

    Communiqué des Antikapitalistischen Bündnis Winterthur:
    Revolutionärer Block an der 1. Mai Demo in Winterthur

    An diesem 1. Mai, dem international Kampftag der Arbeiter:innenklasse, nahmen wir uns mit rund 800 Leute die Strassen von Winterthur. Unter der Parole «Internationale Solidarität statt Krieg und Vertreibung», schloss sich ein grosser Teil dem revolutionären Block an. Denn in den Kriegen dieser Welt hat die Arbeiter:innen-Klasse nichts zu gewinnen.

    Nach der gemeinsamen Besammlung auf den Neumarkt, haben wir selbstbestimmt die Route erweitert. Die von den Bullen zusammengestutzte Route war für uns keine Option, denn wir bestimmen, welche Orte wir bei der Demo besuchen wollen.

    Wir sind solidarisch mit dem Kampf um die Gisi und haben deshalb diesen Ort der Selbstverwaltung besucht. Doch der Kampf um die Gisi weist weit darüber hinaus. So steht dieser Kampf doch exemplarisch für eine Bewegung von unten und für den Bruch mit den herrschenden Verhältnissen. Auf einem grossen Transparent prangte «Lokal und Global: Gemeinsam gegen Krieg, Vertreibung und Kapitalismus».

    Auf der Kreuzung der Technikumstrasse sind die beiden Teile der Demo wieder zusammengetroffen. Gemeinsam wurde dort der Kapitalismus, die Barbarei und alle anderen Dinge, die uns unterdrücken und spalten, symbolisch verbrannt. Aus der Asche hervor erschien ein glühender roter Stern, der eine Perspektive fernab von Unterdrückung und Ausbeutung weisen soll.

    Wir werden uns auch nicht in Zukunft von den Bullen vorschreiben lassen, wo wir uns zu bewegen haben. Dieser kämpferische Tag hat uns gezeigt, dass wir vereint und gestärkt unseren Willen durchsetzen können. Organisieren wir uns, denn nur gemeinsam sind wir stark.

    Antikapitalistisches Bündnis Winterthur, 1. Mai 2026

    Kommt zur Veranstaltung, die das Antikapitalistische Bündnis organisiert:

  • Was seither geschah…

    Am 12. März haben wir die über 5100 Unterschriften der Campax-Petition für den Erhalt der Gisi – einem der ältesten besetzten Häuser der Schweiz und über 60 Unterzeichnungen von Organisationen des offenen Briefes für den Erhalt aller selbstverwalteten Häuser und Wagenplätze in Winterthur den Verantwortlichen übergeben.

    Die SKKG war schnell und schickte uns eine nichtssagende Antwort. Sie verweigern nach wie vor jegliche Verhandlungen.

    Die Stadt Winterthur schweigt bisher zu unseren Schreiben.

    Wir haben auf das Schreiben der SKKG geantwortet. Unsere Antwort findet ihr hier.

    Seither warten wir auf eine ernstzunehmende Antwort, die tatsächlich auf die Forderungen von über 5100 Leuten und über 60 Organisationen eingeht.

    Gisi bleibt! Wir bleiben alle!

  • Communique zur Platz-Küfa

    Am 27. März trafen wir uns im Rahmen der internationalen Housing Action Days in der Steinberggasse für eine Platz-Vokü.

    Mit dieser Aktion haben wir auf die grassierende Wohnungsnot in Winterthur aufmerksam gemacht. Trotz kaltem und regnerischem Wetter, waren wir um die 50 Personen.

    Die Redebeiträge informierten unter anderem über die akut räumungsbedrohte Gisi  an der General-Guisan-Strasse 31, welche die SKKG noch dieses Frühjahr polizeilich räumen lassen will-trotz einer Petition mit über 5000 Unterschriften und einem offenen Brief, der von 60 Organisationen unterschrieben wurde. Die Bewohner:innen und die Nutzer:innen des Kulturraums sollen auf die Strasse gestellt werden. Den Häusern an der Zürcherstrasse 117 und der Schaffhauserstrasse 62 droht ein ähnliches Schicksal. Wir werden der Zerstörung von günstigem Wohn- und Kulturraum nicht tatenlos zusehen und sind nach wie vor bereit mit der SKKG über die Häuser zu verhandeln.

    In einem anderen Redebeitrag wurde zum revolutionären 1. Mai aufgerufen. Unter der Parole Internationale Solidarität statt Krieg und Vertreibung ruft das antikapitalistische Bündnis dazu auf, sich auch dieses Jahr die Strasse zu nehmen.

    Ebenfalls gab es einen Redebeitrag zum andauernden Arbeitskampf der Busfahrer:innen von Stadtbus Winterthur, welche nach wie vor für gerechtere Arbeitsbedingungen kämpfen. Wir stellen uns solidarisch an ihre Seite und wünschen ihnen Kraft und Entschlossenheit für die kommenden Verhandlungen.

    Alle zusammen heraus zum 1. Mai, 10:30 Uhr, Steinberggasse.
    Und danach, alle zusammen an die grosse Wohndemo in Zürich,
    am Samstag,  30. Mai

  • Stellungnahme der Häuservernetzung Winterthur zum «Landbote»-Artikel vom 14. März 2026

    Am 13. März 2026 veröffentlichte der «Tages-Anzeiger» zunächst online und einen Tag später gedruckt im «Landboten» (14. März 2026, Seite 1 und 6) einen vom Leiter der Stadtredaktion Till Hirsekorn geschriebenen Artikel.

    Der Grund für den Artikel: Über 5000 Personen haben unsere Petition und über 60 Organisationen unseren offenen Brief gegen die von der Immo-Stiftung SKKG beabsichtige gewaltsame Räumung der selbstverwalteten General-Guisan-Strasse 31 und den anderen Häusern und Wagenplätze unterschrieben.

    Der «Landbote»-Artikel enthält derart viele Fehler, Auslassungen und Unterstellungen, dass wir folgende Stellungnahme für notwendig erachten.

    1. Der Titel auf der Frontseite des «Landboten» vom 14. März 2026 lautet nicht: «Über 5000 Unterschriften gegen die Räumung der Gisi». Die Zeitung titelt stattdessen: «Feuerpolizei verbietet Partys im besetzten Haus Gisi». Nur: Das stimmt nicht. Korrekt ist: Die Feuerpolizei hat keine Veranstaltungen verboten. Sie hat lediglich die Anzahl der Personen, die sich im Erdgeschoss der General-Guisan-Strasse 31 aufhalten dürfen, auf 20 beschränkt, solange keine zusätzlichen Massnahmen getroffen werden.
    2. Hirsekorn behauptet, die Feuerpolizei habe unangemeldet die General-Guisan-Strasse 31 kontrolliert. Das stimmt nicht. Korrekt ist: Sie hatte zuvor einen Termin vereinbart.
    3. Hirsekorn behauptet, aufgrund der Kontrolle durch die Feuerpolizei finde regelmässige Gisi-Bar im Sommer nicht statt. Das stimmt nicht. Korrekt ist: Seit Sommer 2024, also bald zwei Jahren, findet die Gisi-Bar nicht mehr statt – so steht es auf der Homepage. Mit der Feuerpolizei hat das nichts zu tun.
    4. Hirsekorn behauptet, im Bericht der Feuerpolizei stehe, die bei der General-Guisan-Strasse 31 bestehenden Mängel betreffend Brandschutz seien nur durch eine Totalsanierung behebbar. Das stimmt nicht. Korrekt ist: Im Bericht findet sich die Aussage, eine Totalsanierung sei dafür nötig, nicht.
    5. Hirsekorn behauptet, die Kontrolle der Feuerpolizei sei im Nachgang der Brandkatastrophe von Crans-Montanta erfolgt. Das ist irreführend. Denn Hirsekorn verschweigt, dass sich die SKKG und ihre Verwaltungsfirma Terresta in den letzten 29 Jahren nie für die Sicherheit der Bewohner:innen und Benutzer:innen des Wohn- und Kulturhauses an der General-Guisan-Strasse 31 interessiert hat.

    Wieso das plötzliche Interesse? Aus einem einfachen Grund: Die SKKG benutzt – pietätlos, wie wir finden -, die Brandkatastrophe von Crans-Montana mit ihren zahlreichen Toten als Vorwand, die Räumung der Liegenschaft zu rechtfertigen. Immer wieder zaubert die SKKG neue Gründe aus dem Ärmel, weshalb eine Nutzung der General-Guisan-Strasse 31 im Baurecht angeblich nicht möglich sein soll. Mal ist es die Statik, mal der Brandschutz, dann die Lärmemissionen, oder – ganz neu – der Denkmalschutz. Das sind Themen, die den Bewohner:innen und Benutzer:innen der Gisi selbstverständlich am Herzen liegen. Bei einer langfristig sichergestellte Nutzung können sämtliche Anforderungen, auch jene der Feuerpolizei, problemlos erfüllt werden.

    Um bestehende Probleme mit der Liegenschaft zu lösen, braucht es keine Räumung. Die von der SKKG vorgebrachten Gründe sind vorgeschoben. Die Immo-Stiftung möchte inmitten der grossen Wohnkrise die General-Guisan-Strasse 31 mit fünf Millionen Franken luxussanieren, um hohe Mieterträge zu erzielen. Dafür – und nur dafür – sollen die Bewohner:innen und Benutzer:innen auf die Strasse gesetzt werden.

    1. Hirsekorn behauptet, die General-Guisan-Strasse 31 sei vor 26 Jahren, also 2000, besetzt worden. Das stimmt nicht. Korrekt ist: Die Besetzung fand vor 29 Jahren, im Januar 1997, statt. Seither ist die Gisi ein vom Eigentümer geduldeter und von vielen Leuten geliebter und benötigter günstiger Wohn- und Kulturraum.
    2. Hirsekorn behauptet, 50 Personen hätten am 12. März 2026 am SKKG-Sitz eine Petition und einen offenen Brief für den Erhalt der selbstverwalteten Stefanini-Häuser übergeben und seien nach 20 Minuten abgezogen. Das stimmt nicht. Korrekt ist: Wir waren 80 Personen und blieben 45 Minuten im Foyer des Sulzer-Hochhauses, weil wir auf die SKKG-Direktorin Bettina Stefanini und den SKKG-Präsidenten Thomas Meier warteten. Die beiden weigerten sich allerdings, die Petition und den Brief anzunehmen.
    3. Hirsekorn schreibt, der Werbechef der Terresta Ariel Leuenberger habe ihm mittgeteilt, Bettina Stefanini könne die Petition deshalb nicht annehmen, weil die Polizei ihr davon abgeraten habe. Es sei zu gefährlich. Indem er diese lächerliche Behauptung kommentarlos abdruckt, übernimmt der «Landbote» nicht nur das Narrativ der Werbeabteilung der Terresta. Er macht zugleich Stimmung gegen unseren legitimen Protest. Auf unsere Einladung hin war Hirsekorn vor Ort und weiss: Zu keinem Zeitpunkt bestand für irgend jemanden eine Gefahr. Deshalb gab es auch kein Polizeiaufgebot; es war keines nötig. Bloss zwei Protectas-Angestellte standen gelangweilt herum (von denen der eine sexistisch ausfällig wurde).

    So viele Fehler, Auslassungen und Unterstellungen in einem einzigen Artikel.

    Wir fragen uns: weshalb?

    Weshalb macht der «Landbote» und der Leiter der Stadtredaktion Till Hirsekorn Stimmung gegen Betroffene, die sich für den Erhalt des günstigen Wohn- und Kulturraums in Winterthur einsetzen?

    Häuservernetzung Winterthur

    1. März 2026
  • Medienmitteilung zur Übergabe der Petition und des offenen Briefes an die SKKG und den Stadtrat Winterthur vom 12.03.2026

    Heute Donnerstag 12.3.2026 versammelten wir uns um 14 Uhr mit über 80 Personen vor dem Sulzer-Hochhaus, dem Sitz der steuerbefreiten, milliardenschweren Immo-Stiftung SKKG.

    Wir überbrachten der SKKG eine Campax-Petition mit über 5000 Unterschriften und einem von über 60 Organisationen unterzeichneten offenen Brief. Die Petition und der Brief fordert den Erhalt mehrerer Stefanini-Häuser und der Wagenplätze in Winterthur, die in absehbarer Zeit geräumt werden sollen.

    Eigentlich wollten wir die Unterschriften und den offenen Brief der SKKG-Direktorin Bettina Stefanini und dem Präsident des SKKG-Stiftungsrats Thomas Meier übergeben. Das haben wir der SKKG frühzeitig mitgeteilt. Doch Stefanini und Meier machten, was sie immer tun: Sie weigerten sich. Sie schickten stattdessen den Werbechef der Verwaltungsfirma Terresta, Ariel Leuenberger. Dieser wiederum weigerte sich, Stefanini oder Meier anzurufen. Darum blieben wir lautstark während gut 45 Minuten im Foyer des Sulzer-Hochhauses mit Musik, Kaffee, Reden, Transparenten und Gesang. «Die Stimmung war sehr kämpferisch und stabil», sagte Sandra, eine der von der Räumung bedrohten Anwesenden.

    Der nächste Stop war der «Superblock» an der Zürcherstrasse, dem Sitz der Stadtverwaltung. Denn die Stadt Winterthur ist mit ihrer neoliberalen Wohnpolitik Teil des Problems. Der Stadtrat hat vor, die Wagenplätze in Töss und am Schützenweiher zu räumen. Sie weigert sich, mit den betroffenen Bewohner:innen eine Lösung zu finden. Die unsoziale Politik des Stadtrats zeigt sich auch in der geplanten Vertreibung der über 40 Dauercamper:innen des Campingplatzes am Schützenweiher, wo stattdessen die Autolobby TCS ein 4-Stern-Glamping betreiben soll. Schliesslich wird der Stadtrat zum Handlanger der SKKG, wenn er die angekündigten Räumungen polizeilich durchsetzen will. Der Stadtrat macht sich damit mitverantwortlich bei der Vertreibung vieler Leute und der Zerstörung von günstigem Wohnraum.

    Der zuständige SP-Stadtrat Kaspar Bopp hatte nicht die Grösse, die Unterschriften und den offenen Brief entgegenzunehmen. Damit macht er sich unglaubwürdig, weil er doch stets behauptet, er setze sich für den Erhalt von günstigem Wohnraum ein. «Offensichtlich sind wir ihm als Betroffene der städtischen Vertreibungspolitik egal», so Egon, ein Bewohner des Wagenplatz Mumpitz. Wir übergaben die Unterschriften und den Brief dem Stadtschreiber.

    Wir zogen danach als Spontandemo mit Transparenten, Musik und Parolen weiter: über den Hauptbahnhof durch die Marktgasse bis zur Steinberggasse,der Wohnadresse der Millionenerbin und SKKG-Direktorin Bettina Stefanini. Wir versuchten ein weiteres Mal,ihr die Petition zu übergeben. Leider vergeblich. Unterwegs informierten wir über den Grund unserer Demo. Wir solidarisierten uns mit allen von der Wohnkrise Betroffenen und mit den kämpfenden Busfahrer:innen von Stadtbus Winterthur.

    Das Ziel der Petition ebenso wie des offenen Briefes an die SKKG und den Stadtrat besteht darin, die Verantwortlichen der Zerstörung von günstigen Wohnraum und der Vertreibung von Leuten mit wenig Geld zu konfrontieren. Wir fordern sie zu ernsthaften Verhandlungen mit den Betroffenen auf.

    Seit mehreren Jahren kämpfen wir um den Erhalt der selbstverwalteten Stefanini-Häuser und der Wagenplätze in Winterthur. Diese Orte sind günstiger, selbstverwalteter Wohnraum und unkommerzieller, linker Kultur- und Versammlungsraum für sehr viele Leute. Sie sind Teil der Kultur und Geschichte dieser Stadt. Die Räumungs- und Abrisspläne der SKKG und des Stadtrats treffen viele Leute in ihrer Existenz. Und dies mitten in der schwersten Wohnkrise seit Jahrzehnten.

    Die Verantwortlichen bei SKKG und der Stadt haben auf unsere konstruktiven Vorschläge und Verhandlungsangebote nicht reagiert. Sie haben – trotz einem laufenden juristischen Verfahren – die polizeiliche Räumung der Gisi, dem ältesten besetzten Haus der Schweiz an der General-Guisanstrasse 31, auf Frühjahr 2026 angekündigt. Zwei weitere Stefanini-Häuser sollen 2027 polizeilich geräumt werden. Dagegen wehren wir uns mit allen Mitteln.

    Wir erwarten eine öffentliche Stellungnahme der SKKG und des Stadtrats zur Petition und dem offenen Brief innerhalb eines Monats. Egal, wie diese ausfällt: Wir werden die Häuser und Plätze nicht kampflos hergeben! Wir werden nicht tatenlos der Zerstörung unserer Zuhause zusehen.

    Die über 5000 Unterschriften von Einzelpersonen und von über 60 Organisationen zeigen, dass sich sehr viele mit unserem Kampf solidarisieren. Sie zeigen, dass diese Räume für viele wichtig sind.

    Wir danken allen, die sich an der Übergabe heute beteiligt haben und allen Unterzeichnenden. Eure Solidarität bedeutet uns sehr viel. Wir zählen auf Euch für die folgenden Mobilisierungen gegen Wohnungsnot, Räumungen und Vertreibung. Haltet die Augen und Ohren offen.

    Wir bleiben alle!
    Häuservernetzung Winterthur
    12.3.2026

    Campax-Petition: act.campax.org/petitions/gisi-bleibt-fur-den-erhalt-des-selbstverwalteten-wohn-und-kulturraums-in-winterthur
    Offener Brief: wohnraumverteidigen.org/offenerbrief/