Häuservernetzung Winterthur

Wohnraum verteidigen!

  • Medienmitteilung Pressekonferenz 31.7.26

    Hallo zusammen

    Wir haben heute zu dieser Medienkonferenz eingeladen. Wir sprechen für die Häuservernetzung Winterthur. Die Häuservernetzung ist seit 2020 ein Zusammenschluss selbstverwalteter Häuser, Wagenplätze und engagierter Einzelpersonen in Winterthur. Gemeinsam organisieren wir uns gegen die Wohnungsnot und Verdrängung in der Stadt. Gemeinsam kämpfen wir für den Erhalt von bezahlbarem Wohn- und Kulturraum.

    Wir haben zu dieser Medienkonferenz eingeladen, weil die Stefanini-Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte SKKG über ihre Tochterfirma Terresta AG auf heute ein Ultimatum gestellt hat. Die SKKG fordert von uns Bewohner:innen, Benutzer:innen und Freund:innen der Gisi – dem seit fast 30 Jahren selbstverwalteten Haus an der General-Guisan-Strasse 31 –, das Haus bis heute 31. Juli zu verlassen. Sie droht ab dem 31. Juli mit Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruch.

    Wir möchten hier und heute klarstellen: Wir geben dieser Drohung nicht nach. Wir bleiben hier. Die Gisi bleibt!

    Unsere Haltung ist klar: Die Gisi ist dringend benötigter Wohn- und Kulturraum. Wir lassen uns nach fast 30 Jahren Selbstverwaltung nicht einfach auf die Strasse stellen. Und erst recht nicht von einer steuerbefreiten Stiftung, die Tausende von Wohnungen besitzt und mitverantwortlich ist für die akute Gentrifizierung und damit Vertreibung der ärmeren Bevölkerung aus dieser Stadt. Wir geben die Gisi nicht kampflos auf!

    Was ist in den letzten Monaten passiert?

    Seit der Gründung der Häuservernetzung im Jahr 2020 haben wir versucht, mit der SKKG über den Erhalt der selbstverwalteten Stefanini-Häuser zu verhandeln. Leider scheiterten unsere Bemühungen bei der Gisi an der Verweigerungshaltung der Stiftung.

    Die Häuservernetzung hat für die Gisi einen realistischen Renovationsplan ausgearbeitet, Fachpersonen beigezogen und eine Übernahme im Baurecht vorgeschlagen – so wie für die anderen selbstverwalteten Stefanini-Häuser auch. Doch die SKKG hat jegliche Verhandlungen über die Gisi kategorisch abgelehnt.

    Im Herbst 25 hat die Stiftung mitgeteilt, sie werde die Gisi im Frühjahr 26 totalsanieren. Dafür möchte sie fünf Millionen Franken ausgeben. Die SKKG schweigt sich darüber aus, wie hoch die Mieten danach sein sollen. Klar ist, dass durch die millionenschwere Sanierung günstiger Wohnraum in teuren verwandelt werden soll.

    Bis heute liegt keine Baubewilligung vor. Ausserdem ist vor Mietgericht ein Verfahren hängig. Deshalb ist in nächster Zeit nicht mit einem Baubeginn zu rechnen. Dieser könnte zudem durch mögliche Baueinsprachen weiter verzögert werden.

    Also: Die SKKG kann zurzeit gar nicht bauen. Sie bezweckt mit ihrem Ultimatum nur eines, nämlich eine Räumung auf Vorrat. Sie möchte die Bewohner:innen und Benutzer:innen der Gisi vorsorglich auf die Strasse stellen. Und das mitten in der Wohnkrise.

    Am 16. Juli hat die SKKG in der SVP-nahen «Winterthurer Zeitung» angekündigt, nach der Räumung der Gisi würden die neuen Wohnungen erst in drei bis vier Jahren bezugsbereit sein. Die SKKG bestätigt damit, dass sie die Gisi auf Vorrat räumen möchte. Eine Umbaudauer von drei bis vier Jahren ist nämlich unwahrscheinlich.

    Wir fragen deshalb: Soll eine Sicherheitsfirma mehrere Jahre lang die leere Gisi bewachen? Oder plant die SKKG eine Zwischennutzung, um Asylsuchende oder Wohnungslose einzuquartieren, während sie die derzeitigen Bewohner:innen auf die Strasse stellt und damit obdachlos macht? Ein solches Vorgehen wäre skandalös und verwerflich! Damit würden Betroffene von Verdrängung und Vertreibung auf gemeine Art gegeneinander ausgespielt!

    Im Dezember 25 haben mit uns über 500 Personen auf den Strassen von Winterthur gegen die Räumung der Gisi demonstriert. Diesen März haben wir der SKKG und dem Stadtrat Winterthur eine Petition und einen offenen Brief überreicht. Über 5100 Personen haben die Petition gegen die Räumung der Gisi unterzeichnet. Über 60 Organisationen haben den offenen Brief unterschrieben, der sich für den Erhalt selbstverwalteter Wohn- und Kulturräume in Winterthur ausspricht und eine politische Lösung fordert.

    Weil die SKKG erstens keine Baubewilligung für die Gisi hat und sie zweitens erkennen musste, dass ein erhebliches öffentliches Interesse am Erhalt der Gisi besteht, ging sie dazu über, die geplante Räumung der Gisi mit einem angeblich mangelhaften Brandschutz zu rechtfertigen.

    Die SKKG versucht seit Anfang dieses Jahres, die Brandkatastrophe von Crans-Montana für sich zu nutzen. Sie möchte damit in der Öffentlichkeit Stimmung machen für eine Räumung auf Vorrat. Sie benutzt die Katastrophe von Crans-Montana, um die Gisi-Bewohner:innen und -benutzer:innen in der Öffentlichkeit anzuprangern.

    Die Tatsachen: Bei einer feuerpolizeilichen Kontrolle des Kulturraums der Gisi wurden im Februar verschiedene Auflagen gemacht. Darunter die Auflage, dass sich nicht mehr als 20 Personen im Kulturraum aufhalten dürfen. Die SKKG forderte zudem, dass eine Person genannt wird, die für die Einhaltung dieser Auflagen verantwortlich ist.

    Diese Auflagen haben wir erfüllt. Wir haben eine verantwortliche Person genannt. Im Kulturraum finden seither keine Veranstaltungen mit mehr als 20 Personen statt. Dies wurde gegenüber der SKKG bzw. Terresta AG mehrmals schriftlich bestätigt. Aufforderungen nach Feuerungskontrollen, Stromkontrollen und Statikkontrollen sind wir stets nachgekommen.

    Die SKKG-Tochterfirma Terresta AG teilte diesen Juni nun in einer Medienmitteilung wider besseres Wissen mit, wir hätten die Forderungen nicht erfüllt und müssten deshalb die Gisi verlassen.

    Für uns steht fest: Der SKKG geht und ging es nie um die Sicherheit der Gisi-Besucher:innen und schon gar nicht um jene der Bewohner:innen. Über Jahrzehnte kümmerte sich die Stefanini-Stiftung keinen Deut um die Sicherheit in ihren Häusern. Die Bewohner:innen der Gisi haben sich selbst und mit grossem Aufwand darum gekümmert. Sie haben mit der Feuerpolizei zusammengearbeitet und sämtliche Vorkehrungen aus eigener Tasche bezahlt.

    Um es noch einmal klar zu sagen: alle Auflagen der Feuerpolizei beziehen sich ausschliesslich auf den Kulturraum. Wenn die Feuerpolizei der Meinung wäre, dass die Sicherheit im Kulturraum nicht gewährleistet sei, würden sie Veranstaltungen ganz verbieten, was sie nicht getan haben. Im Bericht der Feuerpolizei wird kein Wort über den Wohnraum verloren. Für die SKKG scheint aber der (un)logische Schluss daraus zu sein, alle Bewohner*innen auf die Strasse zu stellen.

    Der angeblich mangelhafte Brandschutz dient bloss dazu, eine Räumung auf Vorrat zu rechtfertigen.

    Und was tut der Stadtrat?

    Seit Jahren verfolgt der Stadtrat Winterthur einen Städtebau, der den Interessen der profitorientierten Immobilienwirtschaft dient. Was dabei gebaut wird, ist eine Stadt für die Reichen. Die Folge: Wohnen wird in Winterthur immer teurer. Gleichzeitig herrscht Wohnungsnot.

    Das Bedürfnis der arbeitenden und wenig verdienenden Bevölkerung nach bezahlbarem Wohnraum wird zwar wortreich anerkannt. Doch gemacht wird nichts – denn der Stadtrat will gar nichts an der desolaten Lage ändern. Der Stadtrat will nicht mehr bezahlbaren, er will im Gegenteil mehr teuren Wohnraum in Winterthur. Er will gute Steuerzahler:innen anziehen, also Reiche.

    Der Stadtrat steht auch im Konflikt um die Gisi nicht gut da. Er tut einfach so, als gehe ihn die Sache nichts an. Er verschanzt sich hinter dem fadenscheinigen Argument, man habe keinen Einfluss auf die Entscheidung privater Grundeigentümer:innen. Bis heute hat sich der Stadtrat weder zu unserer Petition gegen die Räumung der Gisi noch zum offenen Brief für den Erhalt der selbstverwaltetem Wohn- und Kulturräume geäussert.

    Statt Hand zu bieten für Lösungen, verschärft der Stadtrat die Situation zusätzlich. Er überzieht die Wagenplätze auf städtischem Grund mit Repression, statt diese zu legalisieren. Er will weiterhin die Dauercamper:innen am Rosenberg vertreiben, obwohl die Pläne für ein TCS-Luxuscamping an der Urne bachab gingen.

    Will der Stadtrat Winterthur nun bei der Gisi tatsächlich die Polizei einsetzen, um voreilig Tatsachen zugunsten der Stefanini-Stiftung schaffen? Denn sowohl mietrechtlich als auch baurechtlich stehen der SKKG noch einige Hürden bevor. Trotzdem will die Stiftung das Haus räumen lassen. Sie möchte uns, den Bewohner:innen, Benutzer:innen und Freund:innnen der Gisi, die Polizei auf den Hals hetzen, bevor überhaupt rechtliche Fragen betreffend der Luxussanierung geklärt sind.

    Wie geht es nun weiter?

    Als Grundeigentümerin steht es der SKKG frei, ob sie die Gisi von der Polizei räumen lässt oder nicht. Wenn es ihr in den Kram passt, macht sie die Gisi-Bewohner:innen obdachlos. Oder sie lässt sie kriminalisieren. Denn als Grundeigentümerin hat die SKKG das Geld – und wer das Geld hat, hat die Macht und das Recht. Sie kann dabei offenbar auf die Unterstützung des Stadtrats, der Polizei und der Medien zählen, die unkritisch das Narrativ der Stiftung übernehmen.

    In der kapitalistischen Gesellschaft steht das Recht auf Privateigentum an allererster Stelle und wird gewaltsam durchgesetzt. Im Zweifelsfall auf Kosten der Rechte der Besitzlosen.

    Diese Verhältnisse müssen wir in Frage stellen, wenn wir ernsthaft die gegenwärtige Wohnkrise lösen wollen. Investmentfonds, Banken, Pensionskassen, Versicherungen, Stiftungen und sogar Kirchen nutzen die Wohnungsnot schamlos aus, um ihre Kassen zu füllen. In einem System, das auf Privateigentum basiert, bereichert sich eine kleine Minderheit, während die grosse Mehrheit das Nachsehen hat. Nur wenn wir diese Verhältnisse als Ganzes infrage stellen, können wir eine Verbesserung unserer Lebensumstände erkämpfen.

    Der Erhalt Gisi ist deshalb ein politisches Statement. Der Erhalt der Gisi ist ein Symbol im Kampf gegen den zerstörerischen Kapitalismus und für eine andere, für eine bessere Welt.

    Für uns ist es keine Option, die Gisi aufzugeben. Wir geben nicht auf, was in knapp 30 Jahren aufgebaut und erarbeitet wurde. Wir können nicht einfach zuschauen, wie das zerstört wird. Hunderte von Menschen haben in diesem Haus gewohnt, Tausende von Konzerte und Veranstaltungen wurden hier organisiert.

    Orte wie die Gisi bieten eine Perspektive fernab der kapitalistischen Logik von Profit, Konkurrenz und Vereinzelung. Orte wie die Gisi sind Wohnraum für Leute mit wenig Geld. Sie sind dem profitorientierten Wohnungsmarkt entzogen und offen für subkulturelle Projekte. An diesen Orten können Menschen mitbestimmen, wie ihr Umfeld gestaltet wird. Sie sind nicht Spielball der Eigentümer:innen. An diesen Orten werden Menschen politisiert. Hier werden fortschrittliche Ideen diskutiert, gelebt und weitergegeben.

    Wir werden auf allen Ebenen für den Erhalt der Gisi kämpfen. Wir sind weiterhin bereit, mit der SKKG zu verhandeln. Wir sind bereit, über Sicherheitsprobleme, über Lärmschutz und über Renovationsarbeiten zu verhandeln. Aber wir sind nicht bereit, die Gisi und die mit ihr verbundene Kunst, Kultur und Geschichte einer unnötigen Luxussanierung zu opfern.

    Wir stehen ein für eine solidarische Gesellschaft, in der nicht der Profit von ein paar wenigen das Ziel ist, sondern das gute Leben für alle. Wir solidarisieren uns mit allen Besetzungen, Mietkämpfen und Arbeitskämpfen. Es geht hier um viel mehr als nur um ein Haus – es geht um unser Leben!

    Gisi bleibt! Wir bleiben alle!

  • Besetzt – Wohnen als Luxus? – Sendung Arte Tracks 2025

    In der Sendung werden Projekte zu bezahlbarem Wohnraum in Winterthur, Leibzig und Berlin gezeigt und Aktivist:innen interviewt, unter anderem zur Gisi.

    Die ganze Sendung gibt’s hier.

  • Ultimatum für besetzte «Gisi» – Artikel WNTI, 19.06.2026

    Die Terresta macht ernst: Bis Ende Juli müssen alle Bewohnenden aus dem besetzten Haus «Gisi» ausziehen. Ansonsten werde die Immobilienfirma der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch prüfen. Die Besetzer:innen kündigen Widerstand an und werfen der Terresta vor, sie nutze den Brandschutz als Vorwand.

    Hier geht’s zum ganzen Artikel.

  • Stellungnahme der Häuservernetzung Winterthur zum «Landbote»-Artikel vom 14. März 2026

    Am 13. März 2026 veröffentlichte der «Tages-Anzeiger» zunächst online und einen Tag später gedruckt im «Landboten» (14. März 2026, Seite 1 und 6) einen vom Leiter der Stadtredaktion Till Hirsekorn geschriebenen Artikel.

    Der Grund für den Artikel: Über 5000 Personen haben unsere Petition und über 60 Organisationen unseren offenen Brief gegen die von der Immo-Stiftung SKKG beabsichtige gewaltsame Räumung der selbstverwalteten General-Guisan-Strasse 31 und den anderen Häusern und Wagenplätze unterschrieben.

    Der «Landbote»-Artikel enthält derart viele Fehler, Auslassungen und Unterstellungen, dass wir folgende Stellungnahme für notwendig erachten.

    1. Der Titel auf der Frontseite des «Landboten» vom 14. März 2026 lautet nicht: «Über 5000 Unterschriften gegen die Räumung der Gisi». Die Zeitung titelt stattdessen: «Feuerpolizei verbietet Partys im besetzten Haus Gisi». Nur: Das stimmt nicht. Korrekt ist: Die Feuerpolizei hat keine Veranstaltungen verboten. Sie hat lediglich die Anzahl der Personen, die sich im Erdgeschoss der General-Guisan-Strasse 31 aufhalten dürfen, auf 20 beschränkt, solange keine zusätzlichen Massnahmen getroffen werden.
    2. Hirsekorn behauptet, die Feuerpolizei habe unangemeldet die General-Guisan-Strasse 31 kontrolliert. Das stimmt nicht. Korrekt ist: Sie hatte zuvor einen Termin vereinbart.
    3. Hirsekorn behauptet, aufgrund der Kontrolle durch die Feuerpolizei finde regelmässige Gisi-Bar im Sommer nicht statt. Das stimmt nicht. Korrekt ist: Seit Sommer 2024, also bald zwei Jahren, findet die Gisi-Bar nicht mehr statt – so steht es auf der Homepage. Mit der Feuerpolizei hat das nichts zu tun.
    4. Hirsekorn behauptet, im Bericht der Feuerpolizei stehe, die bei der General-Guisan-Strasse 31 bestehenden Mängel betreffend Brandschutz seien nur durch eine Totalsanierung behebbar. Das stimmt nicht. Korrekt ist: Im Bericht findet sich die Aussage, eine Totalsanierung sei dafür nötig, nicht.
    5. Hirsekorn behauptet, die Kontrolle der Feuerpolizei sei im Nachgang der Brandkatastrophe von Crans-Montanta erfolgt. Das ist irreführend. Denn Hirsekorn verschweigt, dass sich die SKKG und ihre Verwaltungsfirma Terresta in den letzten 29 Jahren nie für die Sicherheit der Bewohner:innen und Benutzer:innen des Wohn- und Kulturhauses an der General-Guisan-Strasse 31 interessiert hat.

    Wieso das plötzliche Interesse? Aus einem einfachen Grund: Die SKKG benutzt – pietätlos, wie wir finden -, die Brandkatastrophe von Crans-Montana mit ihren zahlreichen Toten als Vorwand, die Räumung der Liegenschaft zu rechtfertigen. Immer wieder zaubert die SKKG neue Gründe aus dem Ärmel, weshalb eine Nutzung der General-Guisan-Strasse 31 im Baurecht angeblich nicht möglich sein soll. Mal ist es die Statik, mal der Brandschutz, dann die Lärmemissionen, oder – ganz neu – der Denkmalschutz. Das sind Themen, die den Bewohner:innen und Benutzer:innen der Gisi selbstverständlich am Herzen liegen. Bei einer langfristig sichergestellte Nutzung können sämtliche Anforderungen, auch jene der Feuerpolizei, problemlos erfüllt werden.

    Um bestehende Probleme mit der Liegenschaft zu lösen, braucht es keine Räumung. Die von der SKKG vorgebrachten Gründe sind vorgeschoben. Die Immo-Stiftung möchte inmitten der grossen Wohnkrise die General-Guisan-Strasse 31 mit fünf Millionen Franken luxussanieren, um hohe Mieterträge zu erzielen. Dafür – und nur dafür – sollen die Bewohner:innen und Benutzer:innen auf die Strasse gesetzt werden.

    1. Hirsekorn behauptet, die General-Guisan-Strasse 31 sei vor 26 Jahren, also 2000, besetzt worden. Das stimmt nicht. Korrekt ist: Die Besetzung fand vor 29 Jahren, im Januar 1997, statt. Seither ist die Gisi ein vom Eigentümer geduldeter und von vielen Leuten geliebter und benötigter günstiger Wohn- und Kulturraum.
    2. Hirsekorn behauptet, 50 Personen hätten am 12. März 2026 am SKKG-Sitz eine Petition und einen offenen Brief für den Erhalt der selbstverwalteten Stefanini-Häuser übergeben und seien nach 20 Minuten abgezogen. Das stimmt nicht. Korrekt ist: Wir waren 80 Personen und blieben 45 Minuten im Foyer des Sulzer-Hochhauses, weil wir auf die SKKG-Direktorin Bettina Stefanini und den SKKG-Präsidenten Thomas Meier warteten. Die beiden weigerten sich allerdings, die Petition und den Brief anzunehmen.
    3. Hirsekorn schreibt, der Werbechef der Terresta Ariel Leuenberger habe ihm mittgeteilt, Bettina Stefanini könne die Petition deshalb nicht annehmen, weil die Polizei ihr davon abgeraten habe. Es sei zu gefährlich. Indem er diese lächerliche Behauptung kommentarlos abdruckt, übernimmt der «Landbote» nicht nur das Narrativ der Werbeabteilung der Terresta. Er macht zugleich Stimmung gegen unseren legitimen Protest. Auf unsere Einladung hin war Hirsekorn vor Ort und weiss: Zu keinem Zeitpunkt bestand für irgend jemanden eine Gefahr. Deshalb gab es auch kein Polizeiaufgebot; es war keines nötig. Bloss zwei Protectas-Angestellte standen gelangweilt herum (von denen der eine sexistisch ausfällig wurde).

    So viele Fehler, Auslassungen und Unterstellungen in einem einzigen Artikel.

    Wir fragen uns: weshalb?

    Weshalb macht der «Landbote» und der Leiter der Stadtredaktion Till Hirsekorn Stimmung gegen Betroffene, die sich für den Erhalt des günstigen Wohn- und Kulturraums in Winterthur einsetzen?

    Häuservernetzung Winterthur

    1. März 2026
  • «Wir werden die Häuser und Plätze nicht kampflos hergeben!» Vorwärts-Artikel vom 17. März 2026 zur Petitionsübergabe (S.3)

    «Wir werden die Häuser und Plätze nicht kampflos hergeben!»
    sit. Über 5000 Personen und 60 Organisationen unterzeichneten die Petition und den offenen Brief, mit denen der Erhalt der besetzten Stafanini-Häuser und die Wagenplätze in Winterthur gefordert wird. Sie sind akut von einer polizeilichen
    Räumung bedroht.


    «Heute Donnerstag, 12.März 2026, versammelten wir uns um 14 Uhr mit über 80 Personen vor dem Sulzer-Hochhaus, dem Sitz der steuerbefreiten, milliardenschwe-
    ren Immo-Stiftung SKKG», ist in der Medienmitteilung der Häuservernetzung Winterthur zu lesen. Und: «Wir überbrachten der SKKG eine Petition mit über 5000 Unterschriften und einem von über 60 Organisationen unterzeichneten offenen Brief.» Zu den Unterzeichner:innen gehörten auch der vorwärts und die Partei der Arbeit Zürich. Die Petition und der Brief fordern den Erhalt mehrerer Stefanini-Häuser und der Wagenplätze in Winterthur, die zeitnah geräumt werden sollen.

    Kämpferische Stimmung
    Das Ziel der Petition und des offenen Briefes an die SKKG und den Stadtrat bestehe darin, die Verantwortlichen der Zerstörung von günstigem Wohnraum und
    der Vertreibung von Leuten mit wenig Geld zu konfrontieren. «Wir fordern sie zu ernsthaften Verhandlungen mit den Betroffenen auf», schreiben die Aktivist:innen.
    Geplant war, die Unterschriften und das Schreiben der SKKG-Direktorin Bettina Stefanini und dem Präsidenten des SKKG-Stiftungsrats Thomas Meier zu überreichen – was so auch frühzeitig beiden mitgeteilt wurde. Doch Stefanini und Meier weigerten sich. Stattdessen schickten sie den Werbechef der Verwaltungsfirma Terresta, Ariel Leuenberger. Und dieser weigerte sich wiederum, Stefanini oder Meier anzurufen. «Darum blieben wir lautstark während gut 45 Minuten im Foyer des Sulzer-Hochhauses mit Musik, Kaffee, Reden, Transparenten und Gesang», wird in der Medienmitteilung informiert. Und Sandra, eine von der Räumung bedrohte Anwesende, ergänzt: «Die Stimmung war sehr kämpferisch und stabil.»


    Die politischen Handlanger
    Der nächste Besuch der Aktivist:innen galt dem sogenannten «Superblock», dem Sitz der Stadtverwaltung. Denn die Stadt Winterthur ist mit ihrer neoliberalen
    Wohnpolitik Teil des Problems. In der Tat: «Der Stadtrat hat vor, die Wagenplätze in Töss und am Schützenweiher zu räumen. Sie weigert sich, mit den betroffenen
    Bewohner:innen eine Lösung zu finden», informiert die Häuservernetzung Winterthur weiter in der Medienmitteilung. Die unsoziale Politik des Stadtrats zeige sich auch in der «geplanten Vertreibung der über 40 Dauercamper:innen des Campingplatzes am Schützenweiher, wo stattdessen die «Autolobby TCS ein 4-Stern-Glamping betreiben soll». Auf den Punkt gebracht: Der Stadtrat macht sich zum Handlanger der SKKG, wenn er die angekündigten Räumungen polizeilich durchsetzen will – und so billigen Wohnraum zerstört.
    Der zuständige SP-Stadtrat Kaspar Bopp hatte nicht die Grösse, die Unterschriften und den offenen Brief entgegenzunehmen – was seine Rolle als politischer
    Handlanger nur unterstreicht. «Damit macht er sich unglaubwürdig, weil er doch stets behauptet, er setze sich für den Erhalt von günstigem Wohnraum ein», bringen es die Aktivist:innen bestens auf den Punkt. «Offensichtlich sind wir ihm als Betroffene der städtischen Vertreibungspolitik egal», so Egon, ein Bewohner des Wagenplatz Mumpitz. Die Unterschriften der Petition, sowie der offene Brief wurden dem Stadtschreiber übergeben.


    Weiterer Widerstand angekündigt
    Seit mehreren Jahren kämpfen die Aktivist:innen in der Eulachstadt um den Erhalt der selbstverwalteten Stefanini-Häuser und der Wagenplätze in Winterthur.
    Diese Orte sind günstiger, selbstverwalteter Wohnraum und unkommerzieller, linker Kultur- und Versammlungsraum für sehr viele Leute. «Sie sind Teil der Kultur und Geschichte dieser Stadt. Die Räumungs- und Abrisspläne der SKKG und des Stadtrats treffen viele Leute in ihrer Existenz. Und dies mitten in der schwersten Wohnkrise seit Jahrzehnten», hält die Medienmitteilung fest.
    Die Verantwortlichen bei SKKG und der Stadt haben auf konstruktive Vorschläge und Verhandlungsangebote der Betroffenen nicht reagiert. Nicht nur das: Trotz eines
    laufenden juristischen Verfahrens wurde die polizeiliche Räumung der Gisi, des ältesten besetzten Hauses der Schweiz an der General-Guisanstrasse 31, für das Frühjahr 2026 angekündigt. Zwei weitere Stefanini-Häuser sollen 2027 polizeilich geräumt werden. «Dagegen wehren wir uns mit allen Mitteln», erklären die Aktivist:innen. Sie erwarten eine öffentliche Stellungnahme der SKKG
    und des Stadtrats zur Petition und dem offenen Brief innerhalb eines Monats. Zum Schluss wird festgehalten: «Egal, wie diese ausfällt: Wir werden die Häuser und Plätze nicht kampflos hergeben! Wir werden nicht tatenlos der Zerstörung unseres Zuhauses zusehen.»

    Danke Vorwärts

  • Solidarität mit den Besetzer:innen der Zypressenstrasse

    Wie auf barrikade.info zu lesen war, wurde vor wenigen Tagen eine leerstehende Stefanini-Wohnung besetzt in einem der abrissbedrohten Häusern an der Zypressenstrasse in Wülflingen (mehr Informationen zur Sitaution der Zypressenstrasse-Häuser finden sich bei der IGBBSL: Link)

    Wir solidarisieren uns mit den Besetzer:innen und ihren Forderungen & wünschen ihnen viel Power!

    Hier der Aufruf, der veröffentlicht wurde:

    SKKG und Co. Enteignen

    Freiräume – Wohnungsnot
    alles-wird-besetzt

    18.02. 2024

    Wohnung in Winterthur Wülflingen besetzt!

    Stadtaufwertung und die damit verbundene Vertreibung von armen und marginalisierten Personen ist ein ständig fortschreitender Prozess in den Metropolen Europas.

    Auch in Winterthur wird es immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden – besonders in der Innenstadt. Immobilienfirmen wie Implenia, SKKG, GSSA und auch die SBB reissen ab, sanieren und bauen fleissig. Das kommt allerdings nicht der Allgemeinheit zu Gute, denn oft werden teure Wohnungen für Besserverdienende gebaut, wie am Beispiel der leerstehenden Kesselhauswohnungen sichtbar wird. Auch Sanierungen führen zu starken Mietpreiserhöhungen. Die Winterthurer Stadtregierung hat das materielle Interesse, reiche Steuerzahlende anzulocken. Dafür wird aufgewertet, was das Zeug hält. Neben der Zusammenarbeit mit Immobilienfirmen sollen zum Beispiel im Stadtpark neue Kaffees und Konsummöglichkeiten für Yuppies aus dem Boden gestampft werden. Die Jugend und das «Gesindel» hingegen werden durch ständige Kontrollen und Schikane von den Bullen weggeekelt.

    Auch in der Steinberggasse treibt die Stiftung für Kunst Kultur und Geschichte (SKKG) ihr Unwesen und saniert fleissig. Dabei gibt sie sich Mühe, in gutem Licht zu erscheinen. So bot sie den Mieter*innen – natürlich nach einer saftigen Mietpreiserhöhung – an, wieder in die vorher bewohnten Steibi-Wohnungen einziehen zu dürfen.

    Wo ihnen niemand auf die Finger schaut, wie in Wülflingen an der Zypressenstrasse, ist die Stiftung weitaus weniger zimperlich. Hier leben viele Migrant*innen und Prekarisierte, sowie Arbeitslose. Die SKKG lässt die Häuser zerfallen, während sie die Bewohner*innen noch so lange wie möglich ausquetscht; Schimmel, Asbest, undichte Fenster, heruntergekommene und verkalkte Gemeinschaftswaschküchen, keine Zentralheizung und sanitäre Einrichtungen, die nicht richtig funktionieren.

    Wenn es keinen Wohnraum gibt für uns aus der unteren Klasse, müssen wir ihn uns halt zurückholen. Genau das wurde nun auch gemacht: Eine leerstehende Wohnung an der Zypressenstrasse 28 wurde besetzt und die Bruchbude wurde durch aufwändige Arbeit wieder bewohnbar gemacht. Damit wollen wir auch ein Zeichen setzen – gegen Gentrifizierung und die menschenverachtende Eigentumslogik der Immobilienfirmen.
    Für uns ist dieser Wohnraum essenziell für unser tägliches Leben. Für die SKKG ist dieser Wohnraum nur ein Weg, um Profit zu machen und wird abgerissen, sobald die Mieten nicht mehr rentieren.

    Unsere Nachbar*innen bezahlen immer noch hunderte Franken monatlich, um unter diesen Umständen zu leben.
    Wir fordern für alle Bewohnenden der Liegenschaften an der Zypressentrasse bis zum Abriss einen sofortigen Mieterlass!

    Für solidarische Quartiere von unten!

    GEGEN DIE STADT DER REICHEN – SKKG UND CO. ENTEIGNEN!

    https://barrikade.info/article/6322

  • AM 3. März 2x NEIN

    Am 3. März stimmt der Kanton Zürich über die Initiative von Recht und Ordnung ab; die sogenannte „Anti-Chaoten-Initiative“.

    „…die Initiative fordert, dass verschiedene Kosten, die aufgrund von Demonstrationen, Kundgebungen, anderweitigen Veranstaltungen oder Hausbesetzungen entstehen, von den Veranstaltenden, Störenden und Teilnehmenden getragen werden.“

    Polizeiaufgebote sind an solchen Veranstaltungen oft völlig unverhältnismässig und verursachen somit riesige Kosten. Diese Kosten sollen zukünftig auf die Teilnehmenden abgewälzt werden.
    (Beispiel Basel Nazifrei 2023 : rund 450’000 CHF)

    Diese Initiative, die von der Jungen SVP lanciert wurde, greift die Meinungs- und Versammlungsfreiheit an, welche im Völkerrecht und der Bundesverfassung garantiert ist.
    Die Annahme würde dazu führen, dass Zürich das härteste Polizeigesetz der Schweiz und eines der härtesten in ganz Europa(!) hätte.
    Die Initiative ist menschenrechtswidrig und würde willkürliche Kollektivbestrafung ermöglichen.
    Die Androhung von untragbaren Kosten will uns von Demonstrationen und Kundgebungen und somit von einem grundlegenden Teil der politischen Mitsprache abhalten. Es geht den Initianten offensichtlich darum, linken Aktivismus als solchen zu kriminalisieren.

    Denn wer sind diese sogenannten Chaot*innen, vor denen uns die SVP beschützen will?
    Alle die auf die Strasse gehen, alle die an eine bessere Zukunft glauben und das auch teilen und umsetzen wollen!
    Egal ob wir uns fürs Klima, Arbeitsrechte, bezahlbaren Wohnraum oder gegen patriarchale Strukturen einsetzen; wir alle sind betroffen.
    Ob Demos, Streiks, oder Besetzungen, jegliche Form von emanzipatorischem, anti-kapitalistischem Aktivismus wird hier angegriffen!

    Wir MÜSSEN die Versammlungsfreiheit schützen, darum:
    2X NEIN zur Initiative UND dem Gegenvorschlag!
    Solche Drohungen lassen wir uns nicht gefallen!
    Gehen wir weiterhin wütend auf die Strassen, um gemeinsam gegen genau solche Repressionen und Ungerechtigkeiten zu kämpfen!

    2X NEIN ZUR CHAOT:INNEN-INITIATIVE!

    GEGEN RECHTSRUTSCH UND REPRESSION

     

  • Pressemitteilung: Wohnraum verteidigen (NEU: mit Fotos)

    Was heute geschah:

    Die sieben selbstverwalteten Stefanini-Häuser in und um Winterthur waren heute abend von der Stefanini-Immobilien- und Kunststiftung SKKG vorgeladen worden, um zu erfahren, was die SKKG in Zukunft mit unseren Zuhause vor hat.

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