Häuservernetzung Winterthur

Wohnraum verteidigen!

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Communiqué zum Stadtspaziergang gegen Vertreibung, am 22. Oktober 2026

Gestern Abend sind wir gemeinsam auf die Strasse um gegen Vertreibung und kapitalistische Stadtaufwertung zu protestieren. Konkret ging es auch um unsere Wut gegenüber einer Stadt, die keinerlei Lösung für die Wohnkrise hat. Gleichzeitig will sie uns aber die Lösungen, welche wir uns selbst geschaffen haben, nämlich die Gisi und die Wagenplätze, gewaltsam nehmen.

Ca. 100 Leute haben sich um 19:00 Uhr auf der Steinberggasse eingefunden. Die Stimmung war trotz kaltem Wetter ausgelassen und kämpferisch. Mit Schildern, Transpis und Musik sind wir von der aufgewerteten Steinberggasse Richtung Bahnhof losgezogen. In der Martkgasse gab es einen Redebeitrag vom revolutionären Aufbau, welcher die Situation der Bewohner:innen der Endlikerstrasse thematisierte. Dort sollen 400 Menschen aus ihren Wohnungen geschmissen werden, weil «ihre» Pensionskasse, die Sulzer Vorsorgeeinrichtung, die Häuser abreissen und überbauen will, um mehr Rendite einzufahren.

Am Bahnhof gab es einen Redebeitrag der IGBBSL (Interessensgemeinschaft von Bewohner:innen und Benutzer:innen von Stefanini-Liegenschaften). Darin wurde die Rolle der SKKG (Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte) thematisiert, welche die Einnahmen aus ihren Häusern nutzt, um mit Kulturförderung und viel PR die Stadt und ihre Bewohner:innen auf ihre Seite zu ziehen. Menschen, die sich die erhöhten Mieten nicht mehr leisten können, bleiben auf der Strecke und verlieren ihr Zuhause.

Die Stadthaustrasse hoch gab es einen weiteren Stopp beim Stadtpark mit einer Rede vom RJBW (Revolutionäres Jugendbündnis Winterthur). Der Redebeitrag thematisierte das Bedürfnis der Jugend, sich ausserhalb der elterlichen Kontrolle bewegen zu können. In einer gentrifizierten Stadt, die jeden öffentlichen Winkel ausleuchtet und ein Pop-up-Restaurant hinstellt, sei es zunehmend schwierig, sich ohne Konsumzwang zu treffen.

Der Abschluss des Stadtspaziergangs war im Innenhof der seit knapp 30 Jahren besetzten Gisi. Die SKKG, Eingentümerin der Gisi, hat im August Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gegen die Bewohner:innen eingereicht. Die Bewohner:innen liessen sich davon nicht vertreiben und haben sich im Haus verbarrikadiert. Statt den Dialog zu suchen, will die SKKG das Haus polizeilich räumen lassen. Es ist ungewiss, wann die Räumung stattfindet. Nach eigener Aussage wartet die Polizei auf einen gerichtlichen Entscheid.

Die Bewohner:innen zeigen sich trotz dem nun knapp dreimonatigen Ausharren kämpferisch. In einer Rede machen sie deutlich, dass sie die Gisi niemals freiwillig hergeben werden.

Die Redebeiträge haben alle darauf hingewiesen, dass die Lösung der Wohnkrise nicht im kapitalistischen System zu finden ist und auch die Stadt keine Lösungen parat hat für die vielen Menschen, die aus ihren Häusern vertrieben werden. Die Stadtregierung richtet ihre Politik nach den Bedürfnissen des Kapitals und nicht nach den Bedürfnissen der Menschen. Dagegen können wir uns wehren: Kämpfen wir gegen die Vereinzelung, schliessen wir uns zusammen. Die Wohnkrise trifft längst einen grossen Teil der Bevölkerung, niemand ausser wir selbst wird unsere Probleme für uns lösen. Wehren wir uns gemeinsam gegen das ausbeuterische System.

Solidarität mit den Mieter:innen an der Endlikerstrasse.
Solidarität mit den kämpferischen Bewohner:innen der Gisi.
Solidarität mit allen von Vertreibung betroffenen Menschen!

Häuservernetzung Winterthur
23. Oktober 2026