Häuservernetzung Winterthur

Wohnraum verteidigen!

Begleitschreiben

Liebe Freund:innen und Solidarische

Wir möchten Euch um Eure Hilfe und Eure Solidarität bitten.

Seit einiger Zeit versuchen wir, die selbstverwalteten Häuser und Wagenplätze von Winterthur vor der Räumung und Zerstörung zu bewahren. Diese Häuser und Plätze sind seit Jahrzehnten Wohn- und Kulturraum für viele Leute.

Wie in vielen anderen Städten sind auch in Winterthur der bezahlbare Wohnraum und unkommerzielle Kulturräume unter starkem Druck. Aus jedem Haus und Stück Boden soll möglichst viel Profit gepresst werden. Um das zu erreichen, werden Leerkündigungen, Abriss und lukrative Neubauten vorangetrieben. Die Stadt Winterthur betreibt seit Jahrzehnten eine neoliberale Standortpolitik, die Reiche anziehen und Arme vertreiben soll. Die Immobilienwirtschaft macht Kasse. […]

Begleitschreiben weiterlesen…

Liebe Freund:innen und Solidarische

Wir möchten Euch um Eure Hilfe und Eure Solidarität bitten.

Seit einiger Zeit versuchen wir, die selbstverwalteten Häuser und Wagenplätze von Winterthur vor der Räumung und Zerstörung zu bewahren. Diese Häuser und Plätze sind seit Jahrzehnten Wohn- und Kulturraum für viele Leute.

Wie in vielen anderen Städten sind auch in Winterthur der bezahlbare Wohnraum und unkommerzielle Kulturräume unter starkem Druck. Aus jedem Haus und Stück Boden soll möglichst viel Profit gepresst werden. Um das zu erreichen, werden Leerkündigungen, Abriss und lukrative Neubauten vorangetrieben. Die Stadt Winterthur betreibt seit Jahrzehnten eine neoliberale Standortpolitik, die Reiche anziehen und Arme vertreiben soll. Die Immobilienwirtschaft macht Kasse.

Vor ein paar Jahren hat die Stefanini-Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte SKKG — eine der grössten Eigentümerinnen von günstigem, aber schlecht unterhaltenem Wohnraum in Winterthur — ihre so genannten «Sanierungsoffensive» angekündigt. Die SKKG besitzt über 1300 Wohnungen in Winterthur und über 2200 Wohnungen in der gesamten Schweiz. Die Stiftung hat in der Zwischenzeit mehrere Alstadthäuser totalsaniert und danach die Mieten deutlich erhöht. Neben der Sanierung ihrer Altstadthäuser plant die SKKG auch die Sanierung oder den Abriss aller grossen Blocksiedlungen in den Aussenquartieren. Ihr erklärtes Ziel ist, die Rendite deutlich zu erhöhen. Sie nimmt dabei die Verdrängung der bisherigen Bewohner:innen in Kauf.

Auch drei der sieben selbstverwalteten Stefanini-Häuser und zwei Wagenplätze (auf städtischem Boden) sind akut von einer Räumung und Zerstörung bedroht. Trotz mehrerer Versuche der Bewohner:innen, mit der SKKG und der Stadt über einen langfristigen Verbleib zu verhandeln, setzen beide auf Vertreibung.

Wir haben uns 2020 als Häuservernetzung Winterthur zusammengeschlossen, um den selbstverwalteten Wohn- und Kulturraum zu erhalten. Wir haben der SKKG ernst gemeinte Vorschläge zum sozial und ökologisch nachhaltigen Erhalt des Wohn- und Kulturraums an der General-Guisan-Strasse 31, an der Zürcherstrasse 117 und an der Schaffhauserstrasse 62 vorgelegt. Wir haben einen realistischen Renovationsplan ausgearbeitet und eine Übernahme der Häuser im Baurecht vorgeschlagen. Die SKKG hat Verhandlungen kategorisch abgelehnt und stattdessen die Räumung der Häuser angekündigt.

Die Räumung des ältesten selbstverwalteten Hauses der Stadt, der General-Guisan-Strasse 31, soll im Frühjahr 2026 erfolgen, obwohl ein Rechtsstreit vor dem Obergericht hängig ist und noch keine Baubewilligung vorliegt. Die Räumung der Zürcherstrasse 117 und der Schaffhauserstrasse 62 wurde angekündigt und soll 2027 erfolgen. Und das in Zeiten der akuten Wohnungsnot.

Die Bewohner:innen der Wagenplätze «Frostschutz» und «Mumpitz» versuchen ihrerseits seit langem, mit der Stadt über einen langfristigen Verbleib zu sprechen. Die Stadt verweigert den Dialog und geht gegen die Bewohner:innen mit Gerichtsverfahren vor. Dem Wagenplatz «Frostschutz» wurde die Räumung im September 2026 angedroht, weil die Stadt das Gebiet um den Schützenweiher aufwerten möchte. Dabei verlieren auch die rund 50 Dauercamper:innen auf dem Campingplatz ihr Zuhause (dieser soll in ein TCS-Vierstern-Glamping umgewandelt werden). Gegen diesen unsozialen Plan der Stadt wurde das Referendum ergriffen.

Wir sind auf bezahlbaren Wohnraum und unkommerziellen Kulturraum dringend angewiesen. Es gibt kaum noch günstige Wohnungen in der Stadt. Die selbstverwalteten Häuser und Plätze werden seit Jahrzehnten von vielen Leuten genutzt, bewohnt und geliebt. Wir können sie nicht einfach kampflos aufgeben. Denn wir haben keine Anschlusslösung und können uns keine der vielleicht 100 noch nicht vermieteten, da zu teuren Wohnungen in Winterthur (0,17 % Leerstand) leisten.

Um die Eigentümer:innen der selbstverwalteten Häuser und Plätze zu ernsthaften Verhandlungen zu bringen, benötigen wir Eure Hilfe.

Wenn Ihr mit uns die Überzeugung teilt, dass bezahlbarer Wohnraum, Selbstverwaltung und unkommerzielle Räume in Winterthur notwendig sind, bitten wir Euch, den beiliegenden offenen Brief zu unterzeichnen.

Ihr könnt das mit dem Namen Eurer Organisation, Eures Betriebs oder Eures Projekts tun.

Wir werden den offenen Brief im Januar 2026 an die Stadt Winterthur und an die SKKG übergeben.

Wir freuen uns selbstverständlich auch über andere Formen der Unterstützung und Solidarität. Kommt zu unseren Mobilisierungen und lasst Eurer Kreativität freien Lauf. Schickt uns Fotos und Nachrichten.

Herzlichen Dank für Eure Unterstützung! Sie bedeutet uns viel.

Liebe Grüsse

Häuservernetzung Winterthur

Offener Brief

Sehr geehrte Damen und Herren

Hiermit möchten wir Sie auffordern, mit den Bewohner:innen der unten genannten selbstverwalteten Häuser und Wagenplätze in einen ernsthaften Dialog zu treten, um den Erhalt des Wohn- und Kulturraums und den Verbleib der aktuellen Bewohner:innen auszuhandeln.

Wir fordern Sie dazu auf, den Wert der über Jahrzehnte durch die unentgeltliche Arbeit der Bewohner:innen und ohne kommerzielle Absichten geschaffenen und erhaltenen Räume — bezahlbarer Wohnraum und vielfältiger, unkommerzieller Kulturraum — anzuerkennen und ihre reichhaltige Geschichte zu würdigen. […]

Offener Brief weiterlesen…

Sehr geehrte Damen und Herren

Hiermit möchten wir Sie auffordern, mit den Bewohner:innen der unten genannten selbstverwalteten Häuser und Wagenplätze in einen ernsthaften Dialog zu treten, um den Erhalt des Wohn- und Kulturraums und den Verbleib der aktuellen Bewohner:innen auszuhandeln.

Wir fordern Sie dazu auf, den Wert der über Jahrzehnte durch die unentgeltliche Arbeit der Bewohner:innen und ohne kommerzielle Absichten geschaffenen und erhaltenen Räume — bezahlbarer Wohnraum und vielfältiger, unkommerzieller Kulturraum — anzuerkennen und ihre reichhaltige Geschichte zu würdigen.

Die räumungsbedrohten Häuser und Wagenplätze von Winterthur sind Teil eines vielfältigen Netzwerks selbstorganisierter Räume und Betriebe. Sie sind Teil der Kultur und Geschichte dieser Stadt. Sie sind dringend benötigter, günstiger Wohn- und Kulturraum für viele. Sie sind für uns aus der Stadt nicht wegzudenken.

In Zeiten der akuten Wohnungsnot, in der viele Lohnabhängige Mühe haben, die steigenden Mieten zu bezahlen, dürfen wir der Zerstörung von günstigem Wohnraum nicht tatenlos zusehen. Es ist sowohl aus sozialen wie auch aus ökologischen Gründen sinnvoll und notwendig, bestehende Häuser und Bewohner:innen-Strukturen zu erhalten.

Wir fordern Sie deshalb dazu auf, den Verbleib der Bewohner:innen der General-Guisan-Strasse 31, der Schaffhauserstrasse 62, der Zürcherstrasse 117 ebenso wie den Erhalt der Wagenplätze «Frostschutz» und «Mumpitz» zu ermöglichen oder den Bewohner:innen zumindest eine gleichwertige Ersatzlösung anzubieten.

Wir fordern Sie dazu auf, zusammen mit den betroffenen Bewohner:innen eine Verhandlungslösung anzustreben und nicht auf Räumung, Gewalt und Zerstörung zu setzen.

Wir erklären uns solidarisch mit den Bewohner:innen der räumungsbedrohten selbstverwalteten Wohn- und Kulturräume in Winterthur. Denn wir wollen eine vielfältige Stadt, in der alle Platz haben.

Gerne erwarten wir eine öffentliche Stellungnahme zu diesem Schreiben.


Freundliche Grüsse

Offener Brief: Erhalt des selbstverwalteten Wohn- und Kulturraums in Winterthur

4 Signatures (4%)
100 Goal

Offener Brief: Erhalt des selbstverwalteten Wohn- und Kulturraums in Winterthur


{Your name will be here}