Häuservernetzung Winterthur

Wohnraum verteidigen!

Communiqué aktuelle Entwicklungen zur Gisi                                                            

Die Lage ist ernst. Unter dem Vorwand des Brandschutzes droht die Terresta AG den Bewohnenden der Gisi ab August mit Räumung und Repression.

Angedrohte Räumung

Die Gisi, das älteste besetzte Haus von Winterthur, seit 1997 selbstverwaltet, ist akut räumungsbedroht. Viele kennen von der Gisi vor allem den Kulturraum im Erdgeschoss, die Subcultura, in dem Konzerte und Veranstaltungen stattfinden. In den oberen drei Stockwerken leben zudem viele Menschen, die das Haus mit viel Aufwand und Engagement  beleben und instand halten.

Die Eigentümerin SKKG (Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte), will das Haus für 5 Millionen Franken totalsanieren und teuer vermieten. Um ihr Vorhaben durchzusetzen, müssen sie die Besetzer:innen loswerden. Um dies zu erreichen, schrecken sie auch nicht davor zurück, sich die Tragödie von Crans-Montana zu Nutze zu machen.

Die Immobilienverwaltung der SKKG, die Terresta AG, hat den Bewohner:innen der Gisi am 20. Mai 2026 mitgeteilt, dass sie das Haus ab 1. Juni 2026 nicht mehr bewohnen dürfen und droht ab Ende Juli mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruch, wenn gewisse feuerpolizeilichen Auflagen nicht erfüllt werden. Die Begründung dieser Drohung ist fadenscheinig, die genannten Auflagen sind längst erfüllt.

Brandschutz als Vorwand

Bei einer feuerpolizeilichen Kontrolle des Kulturraums, im Februar 2026, wurden verschiedene Auflagen gemacht. Darunter, dass sich aktuell nicht mehr als 20 Personen im Kulturraum aufhalten dürfen. Die Terresta AG forderte uns zudem dazu auf, eine Person zu nennen, welche für die Einhaltung der feuerpolizeilichen Auflagen verantwortlich ist.

Alle Auflagen wurden erfüllt, eine verantwortliche Person wurde genannt und seither finden keine Veranstaltungen mit mehr als 20 Personen im Kulturraum statt. Dies wurde gegenüber der Terresta AG mehrfach schriftlich bestätigt.

Die Bewohner:innen und der Kulturbetrieb haben logischerweise ein grosses Interesse an der Sicherheit in ihren Räumen. So haben sie in den vergangenen Jahren immer mit der Feuerpolizei zusammengearbeitet und allfällige Mängel mit grossem Aufwand und aus eigener Tasche behoben.

Die Argumentation, dass es keine Sicherheit gebe, dass die feuerpolizeilichen Auflagen erfüllt werden, ist also eine glatte Lüge.

Dass die SKKG unter dem Vorwand des Brandschutzes versucht die Bewohner:innen einzuschüchtern und zu kriminalisieren, um die Räumung der Gisi voranzutreiben, ist verwerflich. Die Tragödie von Crans-Montana wird instrumentalisiert, um ein unliebsames politisches Projekt unter Druck zu setzen. Wir glauben nicht, dass es der SKKG um den Schutz von Menschen geht. Während Jahrzehnten haben sie sich nicht um die Sicherheit der Bewohnenden ihrer Liegenschaften geschert. Wir sind deshalb überzeugt, dass die SKKG den Brandschutz als Vorwand missbraucht, um die Räumung der Gisi zu legitimieren.

Keine Baubewilligung und hängiger Prozess

Besonders stossend ist das Vorgehen der SKKG, weil die Bewohnenden auf Vorrat auf die Strasse gestellt werden sollen. Denn für die Sanierung gibt es noch keine Baubewilligung, zudem läuft noch ein mietrechtliches Verfahren. Für den Kulturraum im Erdgeschoss besteht seit langer Zeit ein Mietverhältnis. Dieses wurde von der SKKG im letzten Jahr gekündigt. Diese Kündigung wurde angefochten, aktuell ist der Entscheid am Mietgericht hängig. Sowohl der juristische Prozess, wie auch das Baubewilligungsverfahren können sich noch monatelang hinziehen.

Die Stadt schweigt

Während sich die Situation der Gisi zuspitzt, schweigt die Stadt Winterthur. Weder auf die Gisi-bleibt-Petition, mit mehr als 5000 Unterschriften, noch auf den offenen Brief, welcher von über 60 Organisationen unterzeichnet wurde, haben die Verantwortlichen bisher reagiert. Auf Nachfrage hat uns die Stadtverwaltung mitgeteilt, es sei innerhalb von sechs Monaten mit einer Antwort zu rechnen.

Derweil geht die Stadt gegen die beiden Wagenplätze Frostschutz und Mumpitz vor. Trotz der abgelehnten Abstimmung zur Aufwertung des Campingplatzes am Rosenberg, muss der Wagenplatz Frostschutz in absehbarer Zeit einer Zufahrtsstrasse weichen. Die Bewohnenden des Wagenplatz Mumpitz werden von der Stadt mit Strafverfahren eingedeckt. In Winterthur werden also alternative Wohnformen und politische Projekte angegriffen. In kürzester Zeit soll viel günstiger Wohnraum zerstört werden – und das mitten in einer Wohnkrise!

Eine andere Stadt ist möglich

Die selbstverwalteten Häuser und Wagenplätze von Winterthur sind Teil eines vielfältigen

Netzwerks selbstorganisierter Häuser, Räume und Betriebe. Sie sind Teil der Kultur und Geschichte dieser Stadt. Sie sind dringend benötigter günstiger Wohn- und Kulturraum für viele. Sie, und insbesondere die Gisi, sind für uns aus der Stadt nicht wegzudenken.

Diese Orte sind wichtig, weil sie es möglich machen, Perspektiven jenseits der kapitalistischen Logik aufzubauen. Sie bieten Wohnraum für Leute mit wenig Geld. Sie werden dem profitorientierten Wohnungsmarkt entzogen und für emanzipatorische Projekte geöffnet. An diesen Orten werden Menschen politisiert und fortschrittliche Ideen diskutiert, gelebt und weitergegeben.

Der Kampf geht weiter

Selbstverwaltete Räume werden durch die kapitalistische Stadtaufwertung immer wieder angegriffen. Denn in der Krise des Kapitalismus bietet der Immobilienmarkt zunehmend attraktive Anlagemöglichkeiten. Deshalb werdenBesetzungen oft auch unter fadenscheinigen Vorwänden geräumt. Lassen wir uns nicht täuschen! Die Sicherheit der Veranstaltungsbesucher:innen des Kulturraums ist nicht das eigentliche Anliegen der Terresta AG. Sie missbraucht die feuerpolizeilichen Auflagen, um die Bewohner:innen der Gisi auf die Strasse zu stellen.

Die Bewohner:innen der Gisi und das Subcultura-Kollektiv haben in der Vergangenheit mit der Feuerpolizei zusammengearbeitet, haben allfällige Mängel jeweils behoben und können das auch in Zukunft tun.

Doch dafür brauchen wir eine Zukunft!

Wir sind weiterhin bereit mit der SKKG über den Erhalt der Gisi zu verhandeln.

Wir geben die Gisi nicht kampflos auf!

Wir halten euch auf dem Laufenden.

Schaut auf unserer Homepage vorbei oder/und folgt uns auf Instagram.

Solidarische Grüsse

Häuservernetzung Winterthur, 17. Juni 2026