Häuservernetzung Winterthur

Wohnraum verteidigen!

  • Besetzt – Wohnen als Luxus? – Sendung Arte Tracks 2025

    In der Sendung werden Projekte zu bezahlbarem Wohnraum in Winterthur, Leibzig und Berlin gezeigt und Aktivist:innen interviewt, unter anderem zur Gisi.

    Die ganze Sendung gibt’s hier.

  • Ultimatum für besetzte «Gisi» – Artikel WNTI, 19.06.2026

    Die Terresta macht ernst: Bis Ende Juli müssen alle Bewohnenden aus dem besetzten Haus «Gisi» ausziehen. Ansonsten werde die Immobilienfirma der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch prüfen. Die Besetzer:innen kündigen Widerstand an und werfen der Terresta vor, sie nutze den Brandschutz als Vorwand.

    Hier geht’s zum ganzen Artikel.

  • Communiqué zur aktuellen Entwicklung im Kampf um die Gisi in Winterthur                                                            

    Liebe Freund:innen und Solidarische

    Die Lage ist ernst. Unter dem Vorwand des Brandschutzes droht die Terresta AG den Bewohnenden der Gisi ab August mit Räumung und Repression.

    Angedrohte Räumung

    Die Gisi, die General-Guisan-Strasse 31, das älteste besetzte Haus von Winterthur, seit 1997 selbstverwaltet, ist akut räumungsbedroht. Viele kennen von der Gisi vor allem den Kulturraum im Erdgeschoss, die Subcultura, in dem Konzerte und Veranstaltungen stattfinden. In den oberen drei Stockwerken leben zudem viele Menschen, die das Haus mit viel Aufwand und Engagement seit vielen Jahren beleben und instand halten.

    Die Eigentümerin, die steuerbefreite Stefanini-Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG), will das Haus für 5 Millionen Franken totalsanieren und teuer vermieten. Um ihr Vorhaben durchzusetzen, müssen sie die Besetzer:innen loswerden. Um dies zu erreichen, schrecken sie nicht davor zurück, sich die Tragödie von Crans-Montana zu Nutze zu machen.

    Die Immobilienverwaltung der SKKG, die Terresta AG, hat den Bewohner:innen der Gisi am 20. Mai 2026 mitgeteilt, dass sie das Haus ab 1. Juni 2026 nicht mehr bewohnen dürfen und droht ab Ende Juli mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruch, da angeblich gewisse feuerpolizeilichen Auflagen nicht erfüllt würden. Die Begründung dieser Drohung ist fadenscheinig, die genannten Auflagen sind längst erfüllt.

    Brandschutz als Vorwand

    Bei einer feuerpolizeilichen Kontrolle des Kulturraums im Februar 2026 wurden verschiedene Auflagen gemacht. Darunter, dass sich aktuell nicht mehr als 20 Personen im Kulturraum aufhalten dürfen. Die Terresta AG forderte uns zudem dazu auf, eine Person zu nennen, welche für die Einhaltung der feuerpolizeilichen Auflagen verantwortlich ist.

    Alle Auflagen wurden erfüllt, eine verantwortliche Person wurde genannt und seither finden keine Veranstaltungen mit mehr als 20 Personen im Kulturraum statt. Dies wurde gegenüber der Terresta AG mehrfach schriftlich bestätigt.

    Die Bewohner:innen und der Kulturbetrieb haben selbstverständlich ein grosses Interesse an der Sicherheit in ihren Räumen. So haben sie in den vergangenen Jahren immer mit der Feuerpolizei zusammengearbeitet und allfällige Mängel mit grossem Aufwand und aus eigener Tasche behoben.
    Die Argumentation, dass es keine Sicherheit gebe, dass die feuerpolizeilichen Auflagen erfüllt werden, ist also eine glatte Lüge.

    Dass die SKKG unter dem Vorwand des Brandschutzes versucht, die Bewohner:innen einzuschüchtern und zu kriminalisieren, um die Räumung der Gisi voranzutreiben, ist verwerflich. Die Tragödie von
    Crans-Montana wird instrumentalisiert, um ein unliebsames politisches Projekt unter Druck zu setzen. Wir glauben nicht, dass es der SKKG um den Schutz von Menschen geht. Während Jahrzehnten hat sie sich nicht um die Sicherheit der Bewohnenden ihrer Liegenschaften geschert. Wir sind deshalb überzeugt, dass die SKKG den Brandschutz als Vorwand missbraucht, um die Räumung der Gisi und die Kriminalisierung der Bewohner:innen zu legitimieren.

    Keine Baubewilligung und hängiger Prozess

    Besonders stossend ist das Vorgehen der SKKG, weil die Bewohnenden auf Vorrat auf die Strasse gestellt werden sollen. Denn für die Sanierung gibt es noch keine Baubewilligung, zudem läuft noch ein mietrechtliches Verfahren: Für den Kulturraum im Erdgeschoss besteht seit langer Zeit ein
    Mietverhältnis. Dieses wurde von der SKKG im letzten Jahr gekündigt. Diese Kündigung wurde angefochten, aktuell ist der Entscheid am Mietgericht hängig. Sowohl der juristische Prozess, wie auch das Baubewilligungsverfahren können sich noch monatelang hinziehen.

    Die Stadt schweigt

    Während sich die Situation der Gisi als wichtiger Wohn- und Kulturraum zuspitzt, schweigt die Stadt Winterthur. Weder auf die Gisi-bleibt-Petition, mit mehr als 5000 Unterschriften, noch auf den offenen Brief, welcher von über 60 Organisationen unterzeichnet wurde, haben die Verantwortlichen bisher reagiert. Auf Nachfrage hat uns die Stadtverwaltung mitgeteilt, es sei innerhalb von sechs Monaten mit einer Antwort zu rechnen.

    Derweil geht die Stadt mit Repression gegen die beiden Wagenplätze Frostschutz und Mumpitz vor. Trotz der abgelehnten Abstimmung zur Aufwertung des Campingplatzes am Rosenberg, muss der Wagenplatz Frostschutz in absehbarer Zeit einer Zufahrtsstrasse weichen. Die Bewohnenden des Wagenplatz Mumpitz werden von der Stadt mit Strafverfahren eingedeckt. In Winterthur werden also alternative Wohnformen und politische Projekte angegriffen. In kürzester Zeit soll viel günstiger Wohnraum zerstört werden – und das mitten in einer akuten Wohnkrise!

    Eine andere Stadt ist möglich

    Die selbstverwalteten Häuser und Wagenplätze von Winterthur sind Teil eines vielfältigen Netzwerks selbstorganisierter Häuser, Räume und Betriebe. Sie sind Teil der Kultur und Geschichte dieser Stadt. Sie sind dringend benötigter günstiger Wohn- und Kulturraum für viele. Sie, und
    insbesondere die Gisi, sind für uns aus der Stadt nicht wegzudenken.

    Diese Orte sind wichtig, weil sie es möglich machen, Perspektiven jenseits der kapitalistischen Logik aufzubauen. Sie bieten Wohnraum für Leute mit wenig Geld. Sie werden dem profitorientierten Wohnungsmarkt entzogen und für emanzipatorische Projekte geöffnet. An diesen Orten werden Menschen politisiert und fortschrittliche Ideen diskutiert, gelebt und weitergegeben.

    Der Kampf geht weiter

    Selbstverwaltete Räume werden durch die kapitalistische Stadtaufwertung immer wieder angegriffen. Denn in der Krise des Kapitalismus bietet der Immobilienmarkt zunehmend attraktive
    Anlagemöglichkeiten. Deshalb werden Besetzungen oft auch unter fadenscheinigen Vorwänden geräumt. Lassen wir uns nicht täuschen! Die Sicherheit der Veranstaltungsbesucher:innen des Kulturraums ist nicht das eigentliche Anliegen der Terresta AG. Sie missbraucht die feuerpolizeilichen Auflagen, um die Bewohner:innen der Gisi auf die Strasse zu stellen.

    Die Bewohner:innen der Gisi und das Subcultura-Kollektiv haben in der Vergangenheit mit der Feuerpolizei zusammengearbeitet, haben allfällige Mängel jeweils behoben und können das auch in Zukunft tun.

    Doch dafür brauchen wir eine Zukunft!

    Wir sind weiterhin bereit mit der SKKG über den Erhalt der Gisi zu verhandeln.

    Egal, was kommt: Wir geben die Gisi nicht kampflos auf!

    Wir halten euch auf dem Laufenden und hoffen fest auf eure Solidarität und Unterstützung.

    Schaut auf unserer Homepage vorbei oder/und folgt uns auf Instagram.

    Solidarische Grüsse

    Häuservernetzung Winterthur, 17. Juni 2026

    wohnraumverteidigen.org

    @haeuservernetzung

  • Pressecommuniqué Kollektiv Frostschutz

    Die Stimmbevölkerung hat entschieden.
    Mit dem Nein zum Neubau des Campingplatzes, diesem völlig überrissenen und
    unsozialen Projekt, wurde ein klares Zeichen gegen die Vertreibung und der Auflösung
    der Nachbarschaft am Schützenweiher gesetzt. Nun liegt es auf der Hand, dass die
    Stadt ihren konfrontativen, undemokratischen Kurs beiseitelegt und mit den betroffenen
    Bewohner:innen an den runden Tisch sitzt.

    Dieses Nein zur Überbauung Schützenweiher bedeutet, dass die Einwohner:innen
    erkannten, wie wichtig es für eine Stadt mit der Grösse Winterthurs ist, alternative
    Wohnformen aus der Grauzone zu hieven und zu legalisieren. Auch dem Stadtrat muss
    klar geworden sein, dass wir da sind und dableiben.
    Denn: Auch wir sind Winterthur.

    Dieses Nein bedeutet, dass auch die Pläne der Strassenverlegung überarbeitet werden
    müssen, denn ohne die Verlegung des Campingplatzes besteht keine Dringlichkeit auf
    der von uns bewohnten Fläche einen asphaltierten Parkplatz zu errichten. Ohne
    grösseren Campingplatz fehlt jegliche Legitimation, unser schönes Kleinod zu
    verschandeln. In einem Naherholungsgebiet soll der Individualverkehr reduziert und
    nicht ausgebaut werden. Schon heute verkehren drei Buslinien auf den Rosenberg. Auch
    unsere Jenischen Nachbar:innen sollen, dank diesem Nein, auf ihrer Parzelle bleiben
    können, da die Fläche zukünftig nicht vom TCS beansprucht wird.

    Sämtliche Bemühungen unsererseits in den letzten Jahren, den Wagenplatz Frostschutz
    zu legalisieren, blockte die Stadt ab. Schon vor elf Jahren ging Yvonne Beutler nicht auf
    unsere Angebote ein. Heute stellt sich Kaspar Bopp taub, wenn wir eine Pacht oder
    Miete anbieten. Immer wieder wurden wir vertröstet. Zuletzt, auf die Zeit nach der
    Abstimmung. Verstrichene Monate und Jahre, die konstruktiv hätten genutzt werden
    können.

    Andere Städte zeigen, dass diese Lebensform in unterschiedlichsten Zonen möglich ist,
    sofern der politische Wille vorhanden ist.

    Wir werden unser geliebtes Zuhause auf keinen Fall zurücklassen. Nicht, bis eine
    gleichwertige Anschlusslösung gefunden ist, die unseren Bedürfnissen entspricht. Nicht
    vor dem effektiven Baubeginn.

    Ein grosser Dank gilt den unterstützenden Personen, die uns in den letzten Monaten auf
    eindrückliche Weise den Rücken gestärkt und uns solidarisch unterstützt haben. Sie
    erkannten, wer wir sind und was wir wollen.

    Kollektiv Frostschutz, 17.6.2026

  • Communinqué zur Wohndemo vom 30. Mai 2026


    Letzten Samstag, am 30. Mai 2026, fand in Zürich erneut eine grosse Wohndemo statt. Tausende von Menschen nahmen sich die Strasse um gegen die Wohnungsnot zu protestieren – trotz Hitze ein neuer Rekord.

    Zum Auftakt der Demo in Zürich besammelten sich in Winterthur bereits um 12:30 Uhr ca. 60 Menschen. Nach einer Rede von der Häuservernetzung zur räumungsbedrohten Gisi, zogen die Demonstrierenden mit Fahnen, Transpis und Parolen durch die Altstadt um schliesslich gemeinsam nach Zürich an die Wohndemo zu fahren.

    Die Stimmung in Zürich war trotz brütender Hitze kämpferisch und ausgelassen. Entlang der Demoroute, vom Hardplatz über die Hardbrücke und Limmatstrasse mitten durch ein Herzstück der Verdrängungsquartiere, gab es zehn verschiedene Reden aus verschiedenen Perspektiven von Organisationen, Kollektiven und aus betroffenen Quartieren.

    Dass sich so viele unterschiedliche Menschen gemeinsam die Strasse nehmen, zeigt, dass die Wohnungsnot längst den Grossteil der Bevölkerung betrifft. Massenkündigungen erfolgen in Zürich im Wochentakt und auch in Winterthur wird saniert und überbaut, was das Zeug hält.

    Viele Häuser sind zu «langfristigen Anlageobjekten» geworden, Mieten zu «sicheren Renditen». Die kapitalistische Logik, die die Wohnkrise verursacht, wird von der bürgerlichen Politik hofiert. Die Interessen der Reichen und des Kapitals werden über Grundbedürfnisse gestellt. Doch dagegen wächst immer mehr Widerstand. Die Wohndemo hat einmal mehr gezeigt, dass wir viele sind und dass wir stärker sind, wenn wir gemeinsam die Stimme erheben.